home | aktuell | archiv | newsflyer | radio | kontakt
[91][<<][>>]

das Letzte, 1.2k

Es geht um INCIPITO


    „Wer von einem anderen einen Abschnitt oder einen Satz, einen Vers, selbst auch nur ein Wort oder einen Buchstaben nur gelernt hat, ist verpflichtet, diesem ehrerbietig zu begegnen.“
    Sprüche der Väter im babylonischen Talmud
Der erste Auftritt geschah so lange und dann so lautstark, wie der Abgesang kurz und schmerzlos sein sollte. Die Erschütterung über die Denkform die der Fragestellung im Titel zu Grunde liegen könnte, diese deutsche Skatspielermentalität vom EINGEBEN-MISCHEN-NEUES SPIEL, dieses: wünscht sich da vielleicht irgendwer: „(...) in Wahrheit Israel die Pest an den Hals (...)“, die in der Fragestellung implizite Rückgabe, der Kritik der leicht-feuchten und heimlichen Freude, endlich, endlich, nach dem elften September.
Wieso die Frage? Vielleicht, damit hinter etwas Selbstverständlichem, nämlich Israel, erst einmal etwas ideologisches, etwas deutsches steht: die radikale Frage!
In dem sie die Position zur Frage verkehrt, kann sie sie in Gänze in Frage stellen. Das ist nicht die Jonglage mit den Worten, die Gedankenakrobatik, die kühne Schwünge, aber keinen Erkenntnisrückfall vollführt. Es ist das kindliche Spiel mit dem Symbol, oder das probieren was geht, natürlich nur symbolisch, jede Frage zu verkehren, jede neu und wieder (da bauscht sich das Tabuuuuh) stellen zu können, wohl auch solche wie: War Hitler Antifaschist? ... und wenn erwischt, wird sich schnell auf die Position des: Man wird doch fragen dürfen? ... zurückgezogen, auf differenzierte Darstellung des Themas auf den Innenseiten gar verwiesen ...
Hört bloß auf! Stellt das Heft ganz schnell ein! Wenn eure Offenheit auf Erinnerungslosigkeit – sprich „Neubeginn“ – sich ideologisch gründet, weil sie an den Beginn des Heftes nicht nur die deutschlich-nordische Symbolverliebtheit im Fragezeichen codiert darstellt; auch weil sie das „Geht’s Noch?“-„Thema“, welches „überall in der deutschen Linken (...) Wellen schlägt“ zum „Schwerpunkt“ werden lässt, weil es „wie in den meisten, sich zur Zeit an diesem Thema spaltenden Gruppen und Projekten, (...) es auch der INCIPITO-Redaktion unmöglich (ist) eine einheitliche Meinung zu finden (...)“, na Klasse kann ich da nur sagen. Kompliment an die, welche siebenundfünfzig Jahre nach dem Suicid des Hitler, zwar noch nicht Israel, aber – über die erkannte Unrichtigkeit – wenigstens die Solidarität mit dem Staat der Juden in Frage stellen können.
Statt zu versuchen zu verstehen, wie fatal es ist, dass seit den SCUDs des Hussein tatsächlich Atemschutzmasken „for free in Israel“ sind, welche Erinnerungen aber auch ein totalitärer, weil zum Layout verkommener Umgang mit dem Symbol der GASMASKE – feldmarschmäßiges Ausrüstungsutensiel, der zur Jagd auf die Juden eingesetzten Polizeibattaillone; Horrorutensil für die an, in und um die Gaskammern zum Einsatz gezwungenen jüdischen Häftlinge der Vernichtungslager; Rettungsutensil der Deutschen vor dem Rauch alliierter Bomben, welche den Juden auf den Todesmärschen begegneten – traumatische Erinnerungen, hier besinnungslos geweckt worden ... und im begleitenden Artikel schreibt der Autor wohlmöglich am Layout vorbei, wenn er eben jene Reflexion nicht einfordert, und sich wahlweise oder was mit diversen „ANG-BAHAMAS-ISF-BÜNDNIS_ES_GEHT_UM_ISRAEL“ (ja wer denn nun eigentlich oder alle oder keine oder in Reminiszenz der abgeschlossenen Fußballweltmeisterschaft, ein Rundumschlag) auseinandersetzt, also warum Auschwitz zum Streite darüber herhalten muss ob eine kapitalistische Epoche sich an ihr bricht oder nicht , welches epochale Denken meine historisch-pathische Kritik beinhaltet, ich wollte das alles mal nicht mehr denken ... nein Danke! Für solche Katharsis am „Neubeginn“ des „INCIPITO“. Ich wähnte den Genossen Lenin sicher in seinem Mausoleum in Moskau und den Sozialismus gut aufgehoben in der Erinnerung, als Nachwarnung gewissermaßen, als Gewissen. Doch im INCIPITO feiert alles fröhliche Urständ. Vielleicht sei da doch der Nietzsche vor, als er den Sozialismus hinsichtlich der Wahl seiner Mittel im Aphorismus verwarnte.
Vom Hirntod sowohl des Verfassers, als auch des Layouters des „LeserInnen“-briefes zu schreiben, um beim Bild zu bleiben, ist nur eine mögliche Assoziation. Vielleicht krümmt sich hier die zum „Neubeginn“ offene und radikale Fragestellung zum Zirkelschluss, der nicht Erfahrung heißt, sondern alles wieder offen für number two macht. Locker flockig den „Schwerpunkt“, das „Thema“ , das Gespräch über die Juden weiterführt, welches die Möllemänner auch für die deutsche Linke wieder offen gemacht haben, als sie mit libertärer, tschuldigung liberaler Vehemenz nichtexistente Tabus einpolterten, vielleicht nicht nur ein Nachhall jenes Donners, mit dem Goebbels einst Nazideutschland von der Bühne der Weltgeschichte treten lassen wollte, eher ein nochwährendes Klingen, weil auch die Schröders und Strucks von Deutschland mit allen Mitteln, gegen alle Mittel der USA, vorerst noch vor fünftausend begeisterten Kölnern u.v.a.m. wettern und neudeutsche Besinnungslosigkeit leider nur noch von konservativ erinnernden Stoibers wahlkampftaktisch im Zaume gehalten wird; weil, so vielleicht deren politisches Kalkül, die offene deutsche Karte noch nicht spielreif ist?
INCIPITO lesen!
Shalom Andreas


home | aktuell | archiv | newsflyer | radio | kontakt |
[91][<<][>>][top]

last modified: 28.3.2007