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Die Sachkompetenz von Bild ist ja so eine Sache.
Die Berichterstattung über Parteitage der Grünen leider nicht mehr.
Vorbei die Zeiten, als ein J. Fischer die meinungs-freie spätere
Kanzler-Gattin verteidigte, welche damals noch nicht mit Schröder, sondern
mit Springers Blatt liiert war. Die Sachkompetenz von Bild allerdings hat darunter nicht gelitten. Sie ist so abwesend wie ehedem. Ein U. Brüssel und V. Müller berichten vom Grünen-Parteitag in Stuttgart: Mit knapper Mehrheit wurde der Antrag durchgedrückt, das Asylrecht wieder zu lockern. Was ist das überhaupt, dieses Asylrecht, das da scheinbar so festgezurrt wurde, daß es wirkliche Gründe geben müsse, es zu lockern? Bilden wir uns also eine Meinung: Die Grünen wollen die sogenannte Drittstaatenregelung erneut einführen. Dies hatte der Bundestag 1993 mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP abgeschafft. Daß es genau umgedreht war, also das, was laut Bild abgeschafft, man mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP einführen konnte, ist völlig egal. Jedenfalls seither können Asylbewerber, die aus einem sicheren Drittland einreisen, sofort zurückgeschickt werden. Die Stärke des Springer-Blattes ist nicht etwa die Manipulation. Nein, es ist die perfekte Bewußtlosigkeit seiner Schreiberinnen und Schreiber, die somit erst gar keinen Nerv ihrer Leserschaft mehr treffen müssen, weil sie selbst keinen mehr verspüren.
Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Deren Klassen-Bewußtsein spielt selbstredend etwas verrückt in Zeiten von Rinderwahn. In einem seitenlangen Text unter der Überschrift Global denken, lokal essen teilt sie in der FAZ mit: In der Regierungserklärung zur neuen Verbraucher- und Landwirtschaftspolitik wurde das Leitbild Klasse statt Masse entwickelt. Wir ahnen da also, daß sich hier von falscher Massenpolitik verbschiedet werden soll und der Klasse statt Masse hingewendet. Das freut einen ja erstmal. Und besonders fortschrittlich gehts weiter: Es soll den Akteuren, den Angehörigen einer Klasse also vermutlich, Orientierung gegeben werden. Nun drängt sich allerdings die Frage aller Fragen auf, an denen ganze Revolutionen bisher gescheitert sind. Auch Künast stellt sie sich natürlich: Was ist Klasse? Als Querdenkerin, die die Frau Ministerin nun mal ist, antwortet sie so sachkompetent wie die Bild-Redakteure es gern wären. Sie macht ganz pragmatisch die Klassenfrage zur Kassenfrage. So wird sie in den Augen der Bild-Redakteure erst recht sympathisch. Was also ist Klasse und wie konstituiert sie sich? Künasts Antwort muß verblüffen. Sie ist so genau, daß Marx und Engels ins Schwärmen kämen: Etwa 60 Prozent des amerikanischen Beefs werden durch den Fleischwolf gedreht, um anschließend zwischen zwei Weißbrothälften als Burger verkauft zu werden. Die Metapher der zwei Weißbrothälften weist hier die Klassengesellschaft als das aus, was sie ist eine als Burger. Daß die Künast die Dinge rigoros beim Namen nennt, darf uns nicht erschrecken, denn die Wahrheit muß auf den Tisch. Und so stellt sie fest, ob Beefs oder Burger Klasse ist beides nicht. Denn, so metaphorisiert sie weiter, Lebensmittelsicherheit allein stellt noch keine Klasse dar. Hätte das die Kommunistische Internationale von einst begriffen, wir stünden heute vor ganz anderen historischen Herausforderungen. Künast analysiert die Fehler jedoch noch scharfsinniger. Der größte Fehler auf dem Weg zur Revolution wäre demzufolge, auf Rohmilchkäse zu verzichten und statt dessen nahezu aseptischen und unbegrenzt haltbaren Käse zu servieren. Als Taktikerin läuft sie selbst Mao den Rang ab. Besagter Käse würde den Geschmackssinn aber verkümmern lassen, so daß ein globaler Einheitsgeschmack drohte. Die geniale Dialektikerin deckt den Zusammenhang zwischen Geschmackssinn und Einheitsgeschmack auf und weist auf die so entstehenden Möglichkeiten hin: Wir kommen weg von der Masse und hin zur Klasse. Und so bestimmt das Schwein das Bewußtsein ob als Beef oder aus dem Fleischwolf: Hauptsache Welt- Burger.
Bei FDP-Guido Westerwelle überlagert ein Quentchen zuviel Heimatliebe das
gute Klassenbewußtsein. Auf die Frage von Bild
In der Musik-Zeitschrift Intro wird |