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#271, Februar 2022
#272, März 2022
#273, April 2022

Aktuelles Heft

INHALT #272

Titelbild
Editorial
Vortrag und Lesung: Angry Workers
Buchvorstellung: Dirk Braunstein / Christoph Hesse - Schiffbruch beim Spagat: Wirres aus Geist und Gesellschaft 1
Buchvorstellung: Vladimir Ze'ev Jabotinsky - Die jüdische Kriegsfront
Buchvorstellung mit Protagonist:innen und Redaktion: Auf dem Klo habe ich noch nie einen Schwan gesehen – Erinnerungen aus 30 Jahren Conne Island
»Herumtreiberinnen« von Bettina Wilpert
• doku: Kritische Theorie, Psychoanalyse und die Geschlechterbeziehung
• doku: Die Tyrannei der unstrukturierten Gruppen
• das letzte: Ein brauner Schatten über Connewitz

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Editorial

Als Redaktion haben wir den Anspruch, mehr zu sein als ein bloßes Programmheft, dass euch die Informationen von der Conne-Island-Homepage als Klolektüre wiederkäut. Einerseits finden wir manchmal interessante Texte anderswo, die wir dann in der Rubrik Dokumentiert für euch abdrucken. Spannender wäre es jedoch, lokale (und vielleicht gar überregionale) Debatten aufzugreifen, die – im weiteren Sinne – für die ›linksradikale Szene‹ bzw. deren Umfeld relevant und interessant sind.

Aber gibt es überhaupt noch die Fähigkeit und den Willen bei sich als ›links‹ bezeichnenden Menschen, sich mit kontroversen Positionen auseinander zu setzen oder wird nicht alles sofort gecancelt, was nicht der eigenen, homogenen Blasenmeinung entspricht?

Es gibt jedenfalls noch Grund zur Hoffnung. Im Internet – eigentlich der denkbar schlechteste Ort für Diskussionen – hat sich auf einer leipzig-bezogenen Seite so etwas ähnliches wie eine Debatte (genauer gesagt: eine Hausprojektdebatte) entwickelt. Auch wenn der erste Beitrag(1) nahe an der Grenze zur Trollerei (da stark provozierend) war, gab es mehrere Antworten und auch die Verfasser*innen des ersten Beitrages haben in einem Follow-Up-Text die verschiedenen Antworten und Reaktionen gewürdigt und wollen die Debatte weiterführen. Sicher ist nicht jede Debatte zielführend oder fruchtbar – und wenn sich unterschiedliche Seiten nicht mehr konkret aufeinander beziehen, sondern sich nur gegenseitig verschiedene -ismen vorwerfen, lässt sich von einer Debatte eigentlich gar nicht mehr sprechen. Ein weniger gutes Beispiel hierfür ist die Kontroverse um zwei Veranstaltungen der AG Antifa aus Halle, die dazu führen sollten, dass der AG von der studentischen Vertretung das Vertrauen (und damit auch ein Großteil der Finanzierung) entzogen wird. In einem Radiobeitrag(2) bei Radio Corax wirft eine »Betroffene« (Zitat) der AG Antifa recht unspezifisch vor, transfeindlich und cis-sexistisch zu sein – um im nächsten Schritt jede Möglichkeit eines Dialogs oder eine Debatte auszuschließen. Die AG selbst hat andererseits auf ausführlichere Kritik noch nicht öffentlich reagiert, sondern nur auf »einige Vorwürfe«(3). Das ist deswegen schade, weil eine Debatte um Ziele und Subjekte des Feminismus durchaus fruchtbar sein könnte, aber nicht entstehen kann, wenn nur Abwehrreflexe stattfinden und kein Dialog.

Sehr spannend ist auch, welche Debatten nicht geführt werden. Wieso beschäftigen sich sogenannte ›Antiimperialist*innen‹ nicht mit der russischen Invasion in Teile der Ukraine? Wieso interessieren sich auch andere ›Linke‹ nicht dafür, dass in Osteuropa vermutlich ein Krieg ausbricht, bei dem der Aggressor Russland von keiner Seite irgendwelche Sympathien zu erwarten hat? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, weil sich einige hinter hohlen Rufen nach »Frieden« verstecken und der Rest sich lieber über die Maskenpflicht aufregt.

Warum der ganze Sermon? Nun, wir als Redaktion planen weiterhin einen Schwerpunkt zur Diskussion über Identitätspolitik. (Dabei muss es nicht zwingend um Feminismus gehen, auch andere Themenkomplexe sind möglich.) Daher soll an dieser Stelle nochmal explizit dazu aufgefordert werden, uns eure Texte und Meinung zu schicken. Ihr solltet aber dann auch kein Problem damit haben, eure Texte neben solchen veröffentlicht zu sehen, denen ihr nichtmal ein My zustimmt. Falls ihr weitere Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns gerne unter newsflyer@conne-island.de.

Lasst euch nicht hinfort wehen,

eure Redaktion

Anmerkungen

(1) https://knack.news/1371
(2) https://radiocorax.de/betroffenenperspektive-zu-umstrittener-veranstaltung-der-ag-antifa-in-halle/
(3) https://antifa.uni-halle.de/2021/11/zu-einigen-der-vorwuerfe-gegen-die-ag-antifa/

20.06.2022
Conne Island, Koburger Str. 3, 04277 Leipzig
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