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Sommerkino 2011

Open air auf dem Conne Island-Freisitz ab 02.06.2011

In Zusammenarbeit mit der Cinemateque Leipzig.

Wer wenn nicht wir


Andres Veiel, BRD 2011, mit August Diehl, Susanne Lothar, Alexander Fehling, Lena Lauzemis, Thomas Thieme, Imogen Kogge, Michael Wittenborn, 129 min

Deutschland in den frühen 60ern. Noch ist das Land ruhig. Doch Aufbruch liegt in der Luft. Auch Bernward Vesper (August Diehl), Sohn des NS-Schriftstellers Will Vesper, begehrt auf. Nachts hackt er wütende Sätze in die Schreibmaschine, die er der erstarrten Gesellschaft ins Gesicht schleudern will. Als er auf Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) trifft, ist das der Beginn einer extremen Liebesgeschichte: bedingungslos, maßlos, bis über die Schmerzgrenze hinaus. Gemeinsam brechen sie auf, um die Welt zu erobern. Keine zehn Jahre später verliert sich Bernward auf Drogentrips im Wahnsinn, und Gudrun katapultiert sich, Andreas Baader an ihrer Seite, in den bewaffneten Untergrund. Für beide wird es kein Zurück mehr geben.
Andreas Veiels erster Spielfilm (nach seinem Dokumentarfilm BLACK BOX BRD, 2001, sein zweiter Beitrag zum Thema RAF) ist eine Annäherung an die Vorgeschichte des Terrors und des deutschen Herbstes. Von politischen Ereignissen und Verkettungen erzählt er über Versatzstücke von Biografien.

Do 2.06. + Fr 3.06., So 12.06., Mi 15.06. / 21.45



Banksy - Exit Through the Gift Shop


Banksy, USA/GB 2010, Dok, 87 min, OmU

Der geheimnisumwitterte Graffiti-Künstler Banksy beschreibt seinen ersten Film auf der Homepage von BANSKY EXIT THROUGH THE GIFT SHOP als "The worlds first Street Art disaster movie" und dies ist wahrscheinlich sogar die treffendste Beschreibung dieses eigenartigen Kunstwerks, mit dem Banksy seine Zuschauer zugleich verwirrt und begeistert. Der Film gibt sich als Dokumentarfilm über Thierry Guetta aus, einen französischen Immigranten in L.A., der tonnenweise Videomaterial über Graffitikunst gesammelt hat und schließlich auch ein Porträt des britischen Künstlers Banksy filmen möchte. Doch über Nacht will Guetta plötzlich selbst zu einem Graffitikünstler werden und legt sich den Namen Mr. Brainwash (MBW) zu. Und wo Guetta gerade noch einen Film über Banksy machen wollte, kippt das Vorhaben plötzlich um in einen Film über Guetta aka Mr. Brainwash von Banksy. Der weltbekannte Street-Art-Künstler, inszenierte einen Film, der raffiniert zwischen amateurhafter Dokumentation und Mockumentary wechselt. Die Aufnahmen eines verrückten Franzosen aus Los Angeles, der sich mit naiver Begeisterung in die internationale Street Art-Szene stürzt, mutieren zur humorvollen Demontage des Kunstbetriebes. "Ein Film über einen Mann, der versucht hat, einen Film über mich zu drehen", beschreibt Banksy seinen ersten Spielfilm.

Sa 4.06. + So 5.06., Di 7.06. / 21.45



The Green Wave


Ali Samadi Ahadi, BRD 2010, mit Shirin Ebadi, Payam Akhavan, Mohsen Kadivar, Mehdi Mohseni, Animadok, 80 min, teilweise OmU

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Grün ist die Farbe des Islams. Und Grün war das Erkennungszeichen der Anhänger von Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi, der im vergangenen Jahr zur Symbolfigur der "Grünen Revolution" im Iran aufstieg. Die Präsidentschaftswahlen am 12. Juni 2009 sollten einen Wechsel bringen, aber entgegen allen Erwartungen wurde der ultrakonservative Populist Mahmud Ahmadineschad im Amt bestätigt. So deutlich das Ergebnis ausfiel, so laut und berechtigt waren dann auch die Vorwürfe der Wahlmanipulation. Die anhaltenden Protestdemonstrationen wurden von staatlichen Milizen immer wieder mit brutalen Übergriffen aufgerieben und aufgelöst. Private Aufnahmen von Handys oder Fotokameras zeugen von dieser maßlosen Gewalt - zahllose Tote, Verletzte und Folteropfer, und eine weitere tiefe Wunde im Herzen der Iraner bleiben zurück.
Die bewegende Dokumentarfilm-Collage bebildert das dramatische Geschehen und erzählt von den Gefühlen der Menschen. Facebook-Nachrichten, Twitter-Botschaften und Internetvideos flossen in die Gestaltung ein, und hunderte echte Blogeinträge dienten als Vorlage für die Erlebnisse und Gedanken zweier junger Studenten, deren Geschichte sich als roter Faden durch den Film zieht. Von ihrer anfänglichen Hoffnung und Neugier bis zu ihrer verzweifelten Angst und dem Mut, trotzdem weiter zu kämpfen. Diese fiktiven Handlungsstränge wurden als Motion Comic animiert und umrahmen die Bilder der Revolution sowie Interviews mit Menschrechtlern und Exil-Iranern.
Ali Samadi Ahadis Film ist eine Chronik der "Grünen Revolution" und ein Denkmal für all jene, die an mehr Freiheit glaubten und dafür ihr Leben ließen.

Mi 8.06. - Fr 10.06. / 21.45



Sommerkino-Reihe Biss-Fest

So finster die Nacht (Låt den rätte komma in)


Tomas Alfredson, Schweden 2008, mit Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, 114 min, dtF

Schweden ist mehr als IKEA und Knäckebrot, Abba und Bullerbü. Hier oben im Norden gibt es auch den Hang zu melancholisch-depressiven Crime-Stories. Der Erfolgsroman "So finster die Nacht" entsprang dem Geiste von John A. Lindqvist, der auch für das Drehbuch des gleichnamigen Films verantwortlich zeichnet. Die Beziehung zweier Halbwüchsiger, irgendwo zwischen Freundschaft und erster Liebe, wird hier wundervoll herausgearbeitet als Dreh- und Angelpunkt einer kalten Welt, in der Erwachsene weder Vorbild noch Sicherheit bedeuten. Verschneite Landschaft und trostlose Wohnblöcke künden visuell von Isolation. In der an sich friedlichen Schnee-Totalen ist jedoch jugendliche Aggression, der Wunsch nach Rache und Vergeltung, ständig präsent.
Oskar (12) sehnt sich nach dem Mut, drei ihn übel drangsalierenden Mitschülern endlich mit dem Messer gegenüberzutreten. Er sammelt im stillen Kinderzimmer Zeitungsausschnitte über Morde und Kriminalfälle. Dann trifft er Eli, eine neue Nachbarin, die sich ebenso einsam und unverstanden fühlt. Sie aber ist kein "normales" 12jähriges Mädchen, sondern verweilt schon längere Zeit in diesem äußerlichen Alterszustand - und als Vampirin bleibt ihr "menschliche Freundschaft" versagt. Ihre Morde aus Blutdurst - keineswegs romantisch verklärt, sondern teilweise liebenswert schwarzhumorig akzentuiert - stellen im Grunde eine Art Variation von Oskars Problemkosmos dar. Auch wenn die Geschichte ein paar sehr blutige Szenen birgt (FSK 16), belässt sie die Problematik der Unsterblichkeit Eli's im Hintergrund - allein ihre traurigen Augen zeugen von einem harten Schicksal. Auch dank der beiden sensationellen jungen Darsteller hallt diese realistische Coming-of-Age-Vampir-Ballade über Einsamkeit, Rache und Loyalität lange nach, als stummer Aufschrei zweier verletzter Seelen.

Sa 11.06. / 21.45



Winter's Bone


Debra Granik, USA 2010, mit John Hawkes, Jennifer Lawrence, Kevin Breznahan, 100 min, OmU

Die 17jährige Ree Dolly begibt sich auf die Suche nach ihrem Vater, der das Haus seiner Familie als Kaution eingesetzt hat und dann spurlos verschwunden ist. Getrieben von der Gefahr, ihr Zuhause zu verlieren und in den Wäldern von Südmissouri zu stranden, stellt sich das Mädchen gegen den Schweigekodex der örtlichen Gemeinde und riskiert ihr Leben, um ihre Familie zu retten. Unbeirrbar und aufrichtig kämpft sie sich durch ein schier unüberwindliches Gestrüpp aus Lügen, Ausflüchten und Bedrohungen, bis sie im letzten, nicht mehr erwarteten Moment zur Wahrheit vordringt.
Auf dem Sundance Filmfestival 2010 gewann WINTER'S BONE den Großen Preis der Jury und den Waldo Salt Drehbuchpreis. Regie führte Debra Granik (DOWN TO THE BONE). Die literarische Vorlage ist Daniel Woodrells gleichnamiger Bestseller, der von Granik und Anne Rosellini adaptiert wurde. Von der Kritik wird WINTERS BONE als überaus authentische Sozialstudie gelobt, was nicht zuletzt der unglaublich präsenten Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence zu verdanken ist, ebenso aber einem beinahe dokumentarischen Stil, welcher Milieu und Charaktere einfängt.

Do 16.06. + Fr 17.06., So 19.06. / 21.45



Preview

Herzensbrecher (Les amours imaginaires)


Xavier Dolan, Kanada 2010, mit Xavier Dolan, Mona Choukri, Nils Schneider, 100 min, OmU

Francis und Mary sind beste Freunde. Bis ihnen Nick begegnet, ein junger Mann und überirdisch schön. Beide verfallen seinem Locken und tun alles, um ihm zu gefallen. Er lässt sie niederknien ... und spielt mit ihrer Sehnsucht. Die Freunde versuchen, sich heimlich auszustechen. Nick nimmt ihre Geschenke mit Handkuss - und bleibt hübsch ungerührt. Nichts gegen eine Nacht zu dritt in einem Bett. Nur geschieht dabei wenig, eigentlich gar nichts. Wird der Ausflug des Trios aufs Land eine Entscheidung bringen?
Mit 19 Jahren drehte Xavier Dolan sein weltweit gefeiertes Debüt I KILLED MY MOTHER. Ein Jahr später verführt er uns mit HERZENSBRECHER, einem komödiantischen Doppelporträt des Verliebtseins in die Liebe, frech und stilbewusst, kommentiert von Statements gebrochener Herzen - ein selbstironischer Leckerbissen!
HERZENSBRECHER läuft im 2cl-Sommerkino als Preview.

Di 21.06. / 21.45





Music from the Moon -
A scenic documentary about music in Iceland and Greenland


Carsten Christochowitz, Christian Hund und Uwe Wältring, BRD 2009, Dok, 96 min

MUSIC FROM THE MOON ist eine interkulturelle Musik- und Puppenshow für Kinder. Im Jahre 2006 machte sich das Hypno Theatre auf die Reise nach Island und abgelegene Orte in Grönland, um ihre Show aufzuführen. Der Film begleitet die Gruppe auf ihrer Reise durch arktische Landschaften. Außergewöhnliche Konzerte und sehr persönliche Momente mit Emiliana Torrini, Benni Hemm, Dagur Kari und anderen Stars der isländischen und grönländischen Musikszene sind genauso sehenswert, wie die großartigen Landschaftsaufnahmen dieser außergewöhnlichen Nordländer. Hier kennen sich die meisten Musiker persönlich, spielen oft zusammen und leben einen, im Vergleich zu uns bekannten Verhältnissen, sehr erfrischenden Umgang mit ihrer Kunst, ihren Mitmenschen und anderen Musikern. Der Film nimmt diese Stimmung wahr und gewährt insgesamt tiefe Einblicke in eine ?nordische? Einstellung zu Musik und Kreativität.

Der Film wird in Kooperation mit dem UT Connewitz gezeigt.

Mi 22.06. / 21.45




An Island - A Film with Efterklang


Vincent Moon & Efterklang, Dänemark 2011, 50 min

Im August 2010 traf sich die Band Efterklang aus Kopenhagen in einer achtköpfigen Lifebesetzung mit dem französischen Filmemacher Vincent Moon auf einer dänischen Insel, um einen Film mit ihrer Musik zu drehen.
Innerhalb von vier Tagen traf die Band auf über 200 lokale Musikerinnen und Musiker, aber auch Kinder und ihre Eltern, um mit ihnen Songs ihres Albums Magic Chairs auf neue Weise zu interpretieren. Das Ergebnis kann sich hören und sehen lassen!

Mi 22.06. / 21.45



Tank Girl


Rachel Talalay, USA 1994, mit Naomi Watts, Lori Petty, Ice-T, Malcolm McDowell, Jeff Kober, Don Harvey, 104 min, dtF

Die Erde im Jahr 2033: Nach einer Umweltkatastrophe tritt eine junge Frau gegen den skrupellosen Despoten Kesslee an, der die letzten Wasserreserven kontrolliert. Sie klaut einen Panzer und nimmt als Tank Girl mit ihrer Begleiterin Jet Girl und einer Horde von Mutanten-Kängurus den Kampf auf.
Überdrehte filmische Umsetzung des bizarr-kultigen Endzeit-Punk-Comics von Alan Martin und Jamie Hewlett.

Do 23.06., Di 28.06. / 21.45



Drei


Tom Tykwer, BRD 2011, mit Sophie Rois, Devid Striesow, Sebastian Schipper, Angela Winkler, Annedore Kleist, Alexander Hörbe, Winnie Böwe, 120 min

Mutig verwickelt Regisseur Tom Twyker in seinem neuen postmodernen Beziehungsreigen DREI ein Berliner Paar aus dem Bildungsbürgertum in eine Ménage à trois. Seine lässig romantische Tragikomödie belässt es jedoch nicht bei der klassischen Dreiecksgeschichte. Getragen von seinen Schauspielern, allen voran der exzellenten Sophie Rois, spielt der 45jährige, der mit LOLA RENNT seinen größten Erfolg feierte, alle Konstellationen durch bis hin zur harmonischen Utopie einer gelebten Dreierbeziehung. Sein Generationenporträt großstädtischer Mittvierziger beeindruckt nicht zuletzt durch die virtuose filmische Umsetzung seiner Versuchsanordnung experimenteller Beziehungsmöglichkeiten.

Fr 24.06. + So 26.06., Do 30.06. / 21.45



Sommerkino-Reihe Biss-Fest

Tanz der Vampire


Roman Polanski, USA/GB 1967, mit Jack MacGowran, Roman Polanski, Sharon Tate, Ferdy Mayne, Terry Downes, 108 min, dtF

Ein alter Professor und sein junger treuer Gehilfe gehen in einem Karpatenschloss auf Vampirjagd und geraten in eine Familienfeier der Untoten.
Die Klischees und Handlungsmuster des Vampir-Genres werden zu einer amüsanten Persiflage genutzt, in der makabre Schocks durch liebevolle Typenkomik ausbalanciert werden. Eine Hommage an das alte Horrorkino und seine Effekte, zugleich eine Satire auf die tragikomischen Bemühungen bürgerlich-aufklärerischer Biedermänner im Kampf mit einer buchstäblich blutsaugenden Aristokratie. Ein fantasievoll-intelligentes Vergnügen.

Mi 29.06. / 21.45



127 Hours


Danny Boyle, USA/GB 2010, mit James Franco, Kate Mara, Amber Tamblyn, Lizzy Caplan, Clémence Poésy, 93 min, OmU

2003 macht sich der US-Amerikaner und Extremsportler Aron Ralston zu einer Kletterpartie in den Blue John Canyon Colorados auf. Weder seine Eltern noch seine Freunde wissen von dem Alleingang, den er gewissenhaft vorbereitet hat.
In den Bergen trifft er auf zwei junge Frauen, die sich verlaufen haben und ihn für ein paar Stunden begleiten. Die Wege der drei trennen sich schließlich, und Aron tourt allein durch den Canyon, als ihm ein folgenschweres Missgeschick widerfährt: Beim Klettern rutscht er aus und stürzt in eine Spalte, wo sein rechter Unterarm eingequetscht wird. Was aber tun, wenn man alleine, ohne viel Proviant, ohne Verbindung zur Außenwelt, kurz ohne jede Chance auf Hilfe in einer Felsspalte gefangen ist?
Die verstörende und zugleich inspirierende Antwort liefert 127 HOURS, der neunte Kinofilm von Oscarpreisträger Danny Boyle. Doyle erzählt rasant von dieser wahren Geschichte. Ganz wie sein Alter Ego James Franco in 127 HOURS, führte der echte Aron Ralston ein Videotagebuch, während er in der Felsspalte gefangen war. Was James Franco hier in die Kamera spricht, entspricht den realen Tagebüchern.
Trotz der Dramatik, die sich auf der Leinwand abspielt, gelingt es Boyle, auch immer wieder durchaus tragikomische Momente einzubauen, die dem Psychodrama letztlich ein bisschen Härte nehmen können. Erneut zeigt Boyle sein ganzes Können und findet in Franco einen Schauspieler in Höchstform. Kein Film für schwache Nerven, insbesondere nicht zum Ende, aber ein Film, den man gesehen haben sollte. (Outnow)

Fr 1.07., So 3.07., Mi 6.07. / 21.30



I Killed My Mother (J'ai tué ma mère)


Xavier Dolan, Kanada 2009, mit Anne Dorval, Xavier Dolan, Francois Arnaud, 100 min, OmU

Hubert Minel verabscheut seine Mutter. Mit seinen überheblichen 17 Jahren sieht er nur ihre geschmacklosen Pullis, ihre kitschige Deko und die widerlichen Krümel an ihrem schmatzenden Mund - und straft sie mit Verachtung. Äußerlichkeiten, gewiss, aber sie nerven. Dazu kommt die Kunst, andere zu manipulieren und jede Schuld von sich zu weisen - zwei Dinge, auf die sich seine Mutter wirklich versteht. Seine Hassliebe wird für Hubert täglich mehr zur Obsession. In ihrem Schatten stolpert er durch die Abenteuer einer eigentümlichen und zugleich typischen Adoleszenz - künstlerische Entdeckungen, den Auftakt zu großen Freundschaften, Ausgrenzung und Sex. Und immer plagt ihn dabei die Streitsucht gegenüber dieser Frau, die er trotz allem einst liebte... Der erste Streich des kanadischen Wunderkinds Xavier Dolan, der I KILLED MY MOTHER mit 17 schrieb, mit 19 drehte und damit die Festivals weltweit im Sturm eroberte - der ultimative Film für alle Mütter, Töchter und Söhne im Clinch, aufwühlend, mitreißend und ein Höllenspaß!
Die bis zur Unentscheidbarkeit ausbalancierte Zwangsliebesbeziehung zwischen Mutter und Sohn wirkt so nah am Leben, als sähen wir einer Dokumentation zu - und ebenso frisch wird Queerness inszeniert. Kamera und Schnitt verdichten die tosenden inneren Stürme der ProtagonistInnen in tänzelnden Zeitlupensequenzen, gerade so, als sei Wong Kar-Wai in Kanada zu Hause. (Spiegel online)

Sa 2.07., Di 5.07. / 21.30



Black Swan


Darren Aronofsky, USA 2010, mit Barbara Hershey, Vincent Cassel, Natalie Portman, 103 min, OmU

Die junge, aufstrebende Ballerina Nina bekommt die Doppelrolle ihres Lebens: In "Schwanensee" soll sie sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan verkörpern. Während sie die perfekte Besetzung für den weißen Schwan ist, muss sie für den Gegenpart der Figur lernen loszulassen und die dunkle Seite in sich hervorbringen. Angetrieben von dem charismatischen Ballettdirektor Thomas Leroy versucht sie verzweifelt ihre Blockaden zu überwinden. Ausgerechnet die neue, attraktive Kollegin Lily hat all das, was Nina zu fehlen scheint. Droht Nina sogar die Rolle an Lily zu verlieren?
Darren Aronofsky führte Regie bei REQUIEM FOR A DREAM (2001), THE FOUNTAIN (2006) und zuletzt bei THE WRESTLER (2008). Zu seinem neuesten Film titelte die Zeit: "Darren Aronofskys Ballettdrama BLACK SWAN bliebe ein geradmaschiger Strumpfhosenthriller, wäre da nicht Natalie Portman. Sie tanzt sich in der Hauptrolle zum Wahnsinn."

Do 7.07. , So 10.07. , Di 12.07. / 21.30



Höllentour


Pepe Danquart, Werner Schweizer, BRD/Schweiz 2004, Dok, 125 min

Das härteste Fahrradrennen der Welt, die Tour de France, wurde 2004 exakt 100 Jahre alt. Pepe Danquart hat diese Jubiläumstour mit drei Kamerateams begleitet und damals neue Maßstäbe im Sportfilm gesetzt: Magisch-suggestiv (wie das Tempo), spannend und schmerzvoll (wie der Wettkampf), atemberaubend schön (wie die Landschaft und die Beinmuskeln). Eine Tour-Innenansicht, fesselnd heute noch, mit differenziertem historischem Blick über die Schulter, auf mediale Schlachten, Orga-Wahnsinn und radsportsüchtiges Publikum.
Aufführung zur Radveranstaltung "radale - Es wird Fahrrad gefahren!"

Fr 8.07. / 21.45



Alle anderen


Maren Ade, BRD 2009, mit Birgit Minichmayr, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, Lars Eidinger, 124 min

Ein Sommerurlaub in einem idyllischen Ferienhaus stellt die noch junge Beziehung eines gegensätzlichen Paares schon bald auf eine harte Probe. Filmemacherin Maren Ade (DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN) beleuchtet in ihrem preisgekrönten Berlinale-Beitrag das Gemeinsame und Trennende einer scheinbar modernen Beziehung, in der sich beide Partner einer trügerischen Illusion hingeben. In den Hauptrollen brillieren die mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnete Birgit Minichmayr und ihr Kollege Lars Eidinger.

Do 14.07., Mi 20.07. + Do 21.07. / 21.30



In einer besseren Welt (Hævnen)


Susanne Bier, Dänemark/Schweden 2010, mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Mikael Persbrandt, 113 min, OmU

Anton lebt den Spagat zwischen zwei Welten: Mehrere Monate im Jahr rettet er als idealistischer Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingscamp Menschenleben. Zuhause, in der Idylle der dänischen Provinz, muss er sich als engagierter Vater und Ehemann den Herausforderungen des Familienalltags stellen. Seine Ehe mit der Ärztin Marianne steht kurz vor dem Aus, als die innige Freundschaft seines Sohns Elias zu seinem einsamen Schulkameraden Christian eine lebensgefährliche Wendung nimmt und Anton vor die Frage stellt: Wie stark sind sein Glaube an die Gerechtigkeit und der Wunsch, seine Haltung zu bewahren?
Die dänische Regisseurin Susanne Bier (OPEN HEARTS, BROTHERS, NACH DER HOCHZEIT) hat ein Gespür für Geschichten, in denen die Figuren an die Grenzen ihrer moralischen Einstellungen und emotionalen Belastbarkeit stoßen. Das beweist auch ihr Drama IN EINER BESSEREN WELT, das eindrucksvoll intensiv und zeitlos von Liebe, Rache, Gerechtigkeit und der Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen erzählt.

Fr 15.07. + Sa 16.07. ,Di 19.07. / 21.30



In ihren Augen (El secreto de sus ojos)


Juan José Campanella, Argentinien/Spanien 2009, mit Ricardo Darin, Soledad Villamil, Guillermo Francella, 129 min, OmU

Seit 25 Jahren hat sich ein Mordfall unauslöschlich in Benjamín Espósitos Gedächtnis gebrannt. Jetzt, im Ruhestand entscheidet er sich, einen Blick zurück zu werfen und jene Zeit voller Liebe, Tod und Freundschaft neu zu beleuchten. Aber seine Erinnerungen, die schon tausende Male wiederbelebt und durchgespielt wurden, sollen nun seine Sicht auf das Vergangene komplett verändern. Mehr noch: Sie schreiben seine Zukunft neu.
Der aus Argentinien stammende Preisträger des "Auslands-Oscar" 2010, ein vielschichtiges Kriminaldrama, setzte sich gegen so prominente Beiträge wie DAS WEISSE BAND durch. Formal weniger streng aber nicht minder fesselnd und eindringlich erzählt Regisseur Juan José Campanella von einem düsteren Verbrechen in politisch unruhigen Zeiten und einem mit dessen Aufklärung betrauten Kommissar, den seine Erinnerungen an den Fall auch nach einem Vierteljahrhundert nicht loslassen.

Fr 22.07. + Sa 23.07., Di 26.07. / 21.30



Sommerkino-Reihe Biss-Fest

Thirst (Bakjwi)


Chan-wook Park, Südkorea 2009, mit Kang-ho Song, Ok-vin Kim, Hae-sook Kim, 133 min, OmU

Ein zutiefst gläubiger und in seiner Gemeinde hochgeschätzter Priester lässt sich freiwillig auf ein medizinisches Experiment ein. Es schlägt fehl und verwandelt ihn in einen Vampir. Der Priester beginnt sich psychisch und körperlich zu verändern und lässt sich auf eine Affäre mit der Frau eines Freundes aus Kindheitstagen ein, die ihre Probleme verdrängt und ihres Alltags überdrüssig ist. Mehr und mehr verzweifelt der Priester an seiner Situation und kämpft um das letzte verbleibende Stück Menschlichkeit.
Nach dem Gewinn des Regiepreises in Berlin für I'M A CYBORG, BUT THAT'S OKAY kehrte der eigenwillige koreanische Regisseur Park Chan-Wook nach Cannes zurück, wo vor fünf Jahren mit OLDBOY sein internationaler Stern aufging. Erstmals wagte er sich an das Horrorgenre, ohne sich jemals an die Konventionen des Vampirfilms zu halten. Vielmehr ist sein düsterer und kompromissloser Film eine ernste Auseinandersetzung mit Glauben und Menschlichkeit, die er bis zur letzten Konsequenz durchzieht. (blickpunkt film)

So 24.07., Mi 27.07. / 21.30



True Grit


Ethan Coen, Joel Cohen, USA 2011, mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Josh Brolin, Matt Damon, 110 min, OmU

Der Farmer Ross von Yell Country, Arkansas, liegt tot im Schneegestöber - erschossen nach einem belanglosen Streit vom angestellten Hilfsfarmer Tom Chaney. Ein Mord wie so viele andere im Wilden Westen um 1880, für den die Sheriffs kaum Interesse zeigen, denn es sind noch viel üblere Gangster auf der Flucht. Die 14-jährige Mattie Ross kann dies nicht akzeptieren und will den Mörder ihres Vaters hängen sehen. Da Chaney in die Wildnis geflohen ist und sich der Bande von Lucky Ned Pepper angeschlossen hat, sucht Mattie Hilfe beim raubeinigen US-Marschall Reuben J. "Rooster" Cogburn (Jeff Bridges), der sich gegen entsprechende Entlöhnung bereit erklärt, alleine der Spur von Chaney zu folgen. Mattie jedoch beharrt darauf, den trinkfesten und gezeichneten Marschall zu begleiten, damit dieser nicht mit der Belohnung abhauen kann. So brechen die zwei ins Choctaw-Gebiet auf, verfolgt vom Texas Ranger LaBoeuf, der Chaney wegen eines Mordes in Texas sucht und sich von seiner Ergreifung einen Karriereschub wünscht. Die Suche gestaltet sich jedoch schwieriger als erhofft.
Das neueste Werk von Joel und Ethan Coen überrascht und überwältigt zugleich. Die zwei Brüder aus Minneapolis haben es erneut geschafft, sich mit ihrem mit 10 Oscar-Nominierungen bedachten Western treu zu bleiben und einen weiteren Beweis ihrer Vielseitigkeit aufzuzeigen. TRUE GRIT, bereits die zweite Verfilmung des Bestsellers von Charles Portis nach der John-Wayne-Version, ist ein Meisterwerk des modernen Westerns, dessen Geschichte zwar während der Zeit der letzten Besiedelung des Colorado-Territoriums spielt, der aber im Vergleich zu den Western des klassischen Hollywood bewusst auf die Glorifizierung der Protagonisten verzichtet und das Leben zeigt, wie es war: rau und unerbittlich. (Outnow)

Fr 29.07. + Sa 30.07., Di 2.08. / 21.30





Ein gutes Herz (The Good Heart)


Dagur Kári, BRD/Dänemark/Frankreich/Island/USA 2009, mit Brian Cox, Isild Le Besco, Paul Dano, Stephanie Szostak, 97 min, OmU

Jacques, Besitzer einer heruntergekommenen New Yorker Kneipe, ist dabei, sich konsequent zu Tode zu saufen, und liegt nach seinem mittlerweile fünften Herzinfarkt in der Klinik. Sein Zimmernachbar ist der Obdachlose Lucas, ein gutmütiger Aussteiger, der sich dem täglichen Kampf ums Überleben nicht gewachsen fühlt. Nach der Entlassung entwickelt sich zwischen beiden eine sonderbare Freundschaft...
Der isländische Regisseur Dagur Kari lässt (...) einen Egoisten auf einen Altruisten prallen. Die Wirkung beobachtet er mit viel trockenem Humor und zeichnet eine Art Doppelporträt, in dem versucht zu skizzieren, was die Essenz zweier so gegensätzlicher Persönlichkeiten ausmacht. Die Geschichtslosigkeit der Protagonisten ist dabei eine interessante Strategie, um den Blick der Zuschauer für die kleinen Gesten zu schärfen. (Quelle: Die Zeit)

Do 28.07., So 31.07., Mi 03.08. / 21.30



Biutiful


Alejandro González Iñárritu, Spanien/Mexico 2010, mit Javier Bardem, Maricel Alvarez, Hanna Bouchab, 147 min, OmU

Santa Colombo ist ein heruntergekommenes Viertel in Barcelona, wo die Immigranten aus China, dem Senegal, Pakistan und Rumänien auf kleinstem Raum hausen. Dort lebt der spanische Kleinkriminelle Uxbal (Javier Bardem) als alleinerziehender Vater mit seinen zwei Kindern. Er verdient sein Geld, indem er illegal anwesende Chinesen Waren fälschen läßt und einen Ring aus Schwarzafrikanern anführt, die in den Straßen Ramsch verticken. Uxbals Ex-Frau Marambra (Maricel Alvarez) versucht gerade wieder einmal, eine gute Mutter zu sein, was der psychisch labilen Frau aber äußerst schwer fällt. Sie schläft außerdem mit Uxbals Bruder Tito. Zu allem Übel erfährt Uxbal, dass er Prostatakrebs hat und nur noch wenige Monate leben wird. Deshalb versucht er, die losen Enden in seinem Leben zusammenzuführen. Dass er bald stirbt, soll vorerst aber niemand erfahren.
Der Rolling Stone schrieb: "Es wäre unmöglich die Oscar-würdigen Darbietungen des Jahres 2010 aufzulisten ohne dabei Javier Bardem in BIUTIFUL hervorzuheben. …der Film ist schonungslos, aber genauso mitreißend, mit einer umwerfenden Leistung Bardems, der uns die Welt durch Uxbals Augen sehen lässt. Bravo, Bardem."

Do 04.08. - So 07.08. / 21.30



Geh und sieh


Elem Klimow, UdSSR 1985, 137 min, OmU

GEH UND SIEH, auch bekannt unter dem Titel KOMM UND SIEH, entstand 1985 in der UdSSR und zählt zu den ergreifendsten und schockierendsten Anti-Kriegsfilmen.
Basierend auf einer Romanvorlage von Aleksej Adamovitsch erzählt er die Erlebnisse des 12jährigen Fljora im Weißrussland des Jahres 1943. Die deutschen Truppen richten auf dem Rückzug weitere verheerende Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Fljora verlässt sein Dorf, um mit den Partisanen gegen die Deutschen zu kämpfen. In einem Waldlager beginnt für ihn der Schrecken des Krieges mit einem Luftangriff. Sein Heimatdorf wird ausgerottet, im Moor trifft er auf versteckte hungernde Flüchtlinge, die Bewohner eines anderen Dorfes sterben eingesperrt in eine brennende Holzkirche. Um Jahrzehnte gealtert findet Fljora schließlich zu den Partisanen zurück, die nun Rache an den Deutschen nehmen.
Klimow drehte keinen historisch orientierten Genrefilm - GEH UND SIEH erinnert dadurch gelegentlich an Andrej Tarkowskijs IWANS KINDHEIT. Er vermeidet jede Objektivierung und Semidokumentarisches, unerwähnt bleiben konkrete Orte, Fronten oder Ereignisse. Was geschieht, ist unmittelbar und existenziell auf die Sicht und das Leben des Jungen Fljora bezogen, der durch die Ereignisse traumatisiert wird. Die subjektive Darstellung geht so weit, dass wir mit Fljora beim ersten Bombenangriff das Gehör verlieren - nur das Tinnitus-Fiepen und dumpfe Geräusche bleiben. Erst allmählich kehrt die natürliche Wahrnehmung in den Filmton zurück. Dieses und andere Stilmittel des Filmes wurden in späteren Weltkriegs- und Holocaustfilmen immer wieder verwendet - und doch gibt es kaum einen anderen Spielfilm, der die beklemmende Intensität von GEH UND SIEH erreicht hat.

Eine Veranstaltung der Initiative "Geschichte vermitteln" des Conne Island anlässlich des 70. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 / Eintritt frei / mit einem einführenden Referat (20 Uhr), Filmbeginn ca. 21.30 Uhr

Di 09.08. / 21.30



Benda Bilili!


Renaud Barret, Florent de La Tullaye, Frankreich/Kongo 2010, mit Léon "Ricky" Likabu, Roger Landu, Coco Ngambali Yakala, Theo "Coude" Nsituvuidi, Claude Kinunu Montana, Paulin "Cavalier" Kiara-Maigi, Djunana Tanga-Suele u.v.a., Dok, 84 min, OmU

Die Straßenmusiker auf Krücken von STAFF BENDA BILILI sind einzigartig. Sie haben einen hypnotisierenden afrikanischen Soul erschaffen, der tief in der kongolesischen Rumba verwurzelt ist und Rhythm and Blues, Reggae und kubanische Nonchalance anklingen lässt. Vier ältere Sänger/Gitarristen auf spektakulären Dreirädern sind das Herz der Band. Eine jüngere Rhythmusgruppe hämmert dazu dichte Beats. Über alledem erklingen strahlend hell die rasenden Solos eines 17-jährigen Wunderkinds, der auf einer Satongé, einer selbstgebauten Blechbüchsen-Gitarre mit nur einer Saite spielt...
Vor fünf Jahren trafen die Regisseure in den Straßen Kinshasas auf "Papa" Ricky Likabu, Coco Ngambali und ihre polioversehrten Freunde und sahen bei den ersten Proben im Park zu. Nun feiert STAFF BENDA BILILI Triumphe auf der ganzen Welt.
Die Filmemacher waren bei allen Schicksalswenden dabei. Ihr in Cannes umjubelter Musikfilm ist das herzergreifende Zeugnis des unerschütterlichen Glaubens der Musiker an die eigene Kraft. Eines Glaubens, der über widrigste Umstände siegt und zeigt, dass Musik den Himmel aufschließt - eine "Lektion fürs Leben" (Le Monde)

Mi 10.08. + Do 11.08., Mi 17.08. / 21.30



Four Lions


Christopher Morris, GB 2010, mit Riz Ahmed, Arsher Ali, Nigel Lindsay, Benedict Cumberbatch, Julia Davis, Preeya Kalidas, 97 min, OmU

Vier junge britische Männer sind im Auftrag Allahs unterwegs. Meinen sie. Omar will sich dem Heiligen Krieg anschließen, weil er nicht länger tatenlos zuschauen will, wie das Ansehen junger Moslems auf der Welt mit Füßen getreten wird. Waj hält das für eine gute Idee und schließt sich an, weil er nichts Besseres zu tun hat - außerdem trifft Omar ohnehin immer alle Entscheidungen für ihn. Barry ist als weißer islamischer Konvertit zwar völlig anderer Meinung, aber das macht nichts, denn das ist er grundsätzlich. Aus Prinzip. Als Bombenbauer stößt Faisal zu der Truppe, der allerdings nicht als Selbstmordattentäter in Frage kommt, weil sein Vater gerade krank geworden ist. Gemeinsam sind sie fest entschlossen, die westliche Gesellschaft dort zu treffen, wo es weh tut. Fragt sich nur, ob sie ein Streichholz anzünden können, ohne sich dabei im Gesicht zu verletzen... (Publics)
Eine Komödie über Terrorismus und Suizidbomber? Endlich! In einer pechschwarzen Satire über den Heiligen Krieg und die Schwierigkeit, Krähen als Soldaten auszubilden, packt das britische Comedy-Genie Chris Morris (THE DAY TODAY, BRASS EYE) ein heißes Eisen an und entdeckt in der größten Bedrohung der Gegenwart einen ebenso bestürzenden wie aberwitzigen Humor. Inszeniert als absolut unwiderstehliche Mischung aus Monty Python und Ali G., fasziniert FOUR LIONS als unerschrockener und gnadenlos konsequenter Spaß, der im wahrsten Sinne des Wortes explosiv ist.

Fr 12.08., So 14.08., Di 16.08. / 21.30



Preview

Lollipop Monster


Ziska Riemann, BRD 2010, mit Sandra Borgmann, Nicolette Krebitz, Jella Haase, Sarah Horváth, 96 min, dtF

Ariane und Oona, zwei Teenager mit kaputten, chaotischen Elternhäusern, fühlen sich beide fehl am Platz in der Welt. Ariane, deren gewalttätiger Bruder die Familie terrorisiert, kompensiert ihre Aggressionen und Selbstzweifel durch viel zu früh entwickelte Sexualität. Oona hingegen fühlt sich schuldig am Selbstmord ihres Vaters und richtet ihre Wut gegen sich selbst. Als die Mädchen sich anfreunden, finden sie beieinander eine seit langem vergeblich gesuchte Leichtigkeit, Nähe und Normalität. Sie schaffen es, aus der Hoffnungslosigkeit und Gewalttätigkeit ihrer familiären Situationen auszubrechen und Trauer und Verzweiflung hinter sich zu lassen.
Doch dann beginnt Ariane ein geheimes Verhältnis mit Oonas verhasstem Onkel Lukas, dem neuen Freund von Oonas Mutter. Damit setzt sie alles aufs Spiel, was den Mädchen vorher Halt gegeben hat. Als die Affäre auffliegt, geht ein tiefer Riss durch die Freundschaft der beiden - um sie zu retten, sehen sie nur eine Möglichkeit und die führt direkt in die Katastrophe.
Im Regiedebüt der Berliner Comic-Zeichnerin Ziska Riemann mausern sich zwei Teenager "inmitten einer schrillen Lolita-Kawai-Goth-Bildästhetik" zu süßsauren "Heavenly Creatures" der deutschen Gegenwart. Orkusdüster und grellkomisch zugleich - LOLLIPOP MONSTER ruht mit einer abgehangenen Stimmigkeit in sich, die das hysterisiert erlebte Pubertäre als superautonom erscheinen lässt. (Quelle: taz)

Sa 13.08. / 21.30



Ein Mann von Welt (En ganske snill mann)


Hans Petter Moland, Norwegen 2010, mit Stellan Skarsgård, Bjørn Floberg, Gard B. Eidsvold, Jorunn Kjellsby, Jan Gunnar Røise, 107 min, OmU

Ulrik ist gerade den schwedischen Gardinen entronnen, da stellt sich ihm die Frage - neues Leben oder altes? Eigentlich möchte er schleunigst die ungnädige Vergangenheit so weit wie möglich hinter sich lassen. Seinen Sohn will er wiedersehen und sich an dessen Nachwuchs erfreuen. Wie es sich für einen in die Jahre gekommenen Gangster gehört. Er findet einen Job in einer Autowerkstatt, bekommt eine Topfpflanze geschenkt und verliebt sich in die Tochter vom sehr redseligen Chef. Eine verschrobene alte Dame gibt ihm Kost und Quartier und will als Gegenleistung lediglich auch ihren - erotischen - Appetit gestillt wissen. Einem ganz normalen Leben steht also eigentlich nichts mehr im Wege. Wenn da nicht die offen gebliebenen Rechnungen wären. Sein Gangsterfreund Jensen bedrängt ihn, dort weiterzumachen, wo er einst aufgehört hat. Den Verräter von damals hat Ulriks alte Bande ausfindig gemacht und den nötigen Schlachtplan noch dazu. Doch ganz so einfach gehen Familie und Verbrechen eben nicht zusammen ... Subtiler Humor, entwaffnendes Understatement, skurriler Charme - die norwegische Komödie EIN MANN VON WELT steht in der besten Tradition skandinavischen Kinos. Regisseur Hans Petter Moland gelang eine unwiderstehlich lässige und eloquente Komödie über ein Leben im Imperfekt, über das Menschsein als "Fehlersein" in einer durch und durch rationalisierten Welt.

Do 18.08. + Fr 19.08., Mi 24.08. / 21.30



Mr. Nice


Bernard Rose, GB 2010, mit Rhys Ifans, Chloë Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Elsa Pataky, Luis Tosar, Crispin Glover, Christian McKay, 121 min, OmU

43 Decknamen, 89 Telefonanschlüsse, 25 Firmen, Kontakte zu Mafia und Geheimdiensten und über eine Million verkaufte Bücher: kaum einer spielte mit dem Feuer des Verbrechens so ungeniert wie der Mann, der einst mit Hilfe der IRA und des britischen Geheimdienstes den Drogenhandel globalisierte. Howard Marks (Rhys Ifans) war hochbegabter Oxford-Zögling, bevor er sich zum internationalen Drogenboss entwickelte, zum charmanten Staatsfeind und Herrscher über die Titelseiten.
Alles begann in den 70er Jahren als der Joint Symbol einer besseren Welt war: Howard will Lehrer werden, bis er Vertretungsweise mit einer Ladung Drogen quer durch Europa rast - ein buchstäblich bewusstseinserweiternder Trip! Kurz darauf erobert sich Howard mit Hilfe eines IRA-Anführers den amerikanischen Markt und wird als Agent des MI6 angeworben - sehr zum Verdruss der internationalen Drogenpolizei. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit hält Mr. Nice ein ganzes Justizsystem zum Narren, ist mal unberechenbarer Geheimagent, mal schäbiger Geldwäscher, und genießt ein Leben zwischen Cannabis, Cadillacs und einer Menge Cash. Howard bleibt nicht zu fassen, wird zum Helden der Legalisierungsbewegung. Aber Craig Lovato von der US-Drogenbehörde hat genug von dem Katz-und-Maus-Spiel. Er setzt alles daran, den begnadeten Trickser endlich dingfest zu machen. Doch der bleibt vor allem eins: Verbrecher - und stolz darauf.
MR. NICE ist die kongeniale Verfilmung der gleichnamigen, legendären Autobiographie von Howard Marks. Bernard Rose inszenierte die wahre Geschichte dieses charismatischen Outlaws als pointen- und wendungsreiche Komödie voller Dialogwitz und satirischer Seitenhiebe.

Sa 20.08. + So 21.08., Di 23.08. / 21.30



Mary & Max (Mary and Max)


Adam Elliot, Australien 2009, Animation, 80 min, dtF

Mary heißt das 8-jährige Mädchen, das am Stadtrand von Melbourne aufwächst. Sie unterhält eine intensive Brieffreundschaft zu Max Jerry Horovitz, einem 44-jährigen schwer gestörten New Yorker, der unter anderem unter dem Asperger Syndrom leidet, einer Form des Autismus. Max hat keine Freunde, aber er hat Mary, die ihm Briefe aus einer Welt schickt, die ihm gänzlich unbekannt ist. Und Mary hat Max, den sie nach allen Dingen fragen kann, die sie gerade brennend beschäftigen...
Autismus, Fresssucht, soziale Außenseiter, Alkoholsucht, Einsamkeit, körperliche Behinderungen - was darf von einem Film erwartet werden, der solche Themen aufgreift? Klar, ein hochprozentiges Sozialdrama der Giftklasse Eins. Umso irritierender mag es dann zunächst scheinen, wenn das Gegenteil zutrifft. Allerdings ist dies im Fall von Mary und Max zumindest für den Eingeweihten gar nicht erstaunlich, denn Regisseur Adam Elliot hat bereits 2003 in seinem Oscarprämierten Kurzfilm HARVIE KRUMPET bewiesen, dass eine Geschichte über psychisch kranke Außenseiter keinesfalls nur todtraurig sein muss.
Was der Mann aus Down Under mit HARVIE KRUMPET begonnen hat, führt er mit seinem ersten Langspielfilm nun zur Perfektion. Seine Handschrift ist unverkennbar, was sich beispielsweise im Zeichenstil und den Figuren mit den an Roboterantennen gemahnenden Ohren zeigt. Übrigens handelt es sich hierbei nicht etwa um Computeranimationen, sondern um reale Puppen, die eigens für den Film aus verschiedenen Materialien wie Ton, Metall oder Plastik hergestellt wurden. (Outnow)
Adam Elliot ist mit Mary & Max ein überraschendes kleines Meisterwerk gelungen, das wieder einmal beweist, wozu das gerne als Kinderunterhaltung belächelte Animationskino abseits von Effektgewitter wirklich imstande ist. (kino-zeit.de)

Do 25.08., Sa 27.08. + So 28.08. / 21.30



Sommerkino-Reihe Biss-Fest / Stummfilm Live

Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens


Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland 1921/22, mit Max Schreck, Alexander Granach, Gustav von Wangenheim, Greta Schröder, 84 min, stumm

Murnaus Film ist nicht nur einer der einflussreichsten, sondern auch nach über achtzig Jahren noch einer der besten Vampirfilme, die jemals gedreht wurden. Der Plot ist schnell erzählt: Anfang des 19. Jahrhunderts reist der Makler Hutter nach Transsylvanien, um mit Graf Orlok einen Kaufvertrag über ein Haus in seiner Heimatstadt abzuschließen. Jener entpuppt sich jedoch als Vampir, zwingt Hutter unter seine Kontrolle und bricht nach Wisborg auf, um nach der schönen Frau zu sehen, deren Bild er bei Hutter fand. Auch Hutter, der sich befreien konnte, eilt nach Wisborg zurück, wo es zur entscheidenden Auseinandersetzung kommt.
Die Live-Begleitung bestreiten Anja Kleinmichel und Lutz Eitel (Piano, Elektronik/E-Gitarre und Sampler) aka "Spur der Töne": "Tasten, Saiten, ein Haufen Knöpfe und Kabel, Spielzeug, ein Aufnahmegerät für unterwegs: damit entstehen unsere Klänge zu den Filmen. Improvisation über ein Gerüst aus programmatisch eingespielten Geräusch-Fragmenten aus der Realität und einer akustischen Fiktion aus all den späteren Filmen, die von NOSFERATU beeinflusst sind. Der Ton zum Film ist unsere persönliche Lesart des Geschehens auf der Leinwand, wobei uns am wichtigsten ist, die zeitliche Distanz zu überbrücken und den Film ganz unmittelbar aufleben zu lassen."

Fr 26.08. / 21.30





Infos: http://www.cinematheque-leipzig.de und http://www.conne-island.de/termin/Film.html.

12.07.2011
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