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Wir dokumentieren im Folgenden einen Aufruf der Antideutschen Kommunisten Berlin und der Bahamas zur vergangenen Kundgebung gegen die „Nahost-Konferenz“ im Neuen-Deutschland-Haus am 28.09.2002.
dokumentation, 1.1k

links – antisemitisch – deutsch.


Querfront im Friedenslager - der Kongress

Am 28.09.2002 lädt der „philosophische Salon“ im „alten ND-Gebäude“ am Friedrichshainer Franz-Mehring-Platz Nr. 1 zu einer „Nah-Ost-Konferenz: Zur aktuellen Lage im Nahen Osten“. Es treffen sich dort potentielle Judenmörder, Volkstumsspezialisten, Blut-und-Boden-Ideologen und romantische Antikapitalisten zu dem Zweck, antisemitische Angriffe zu legitimieren.

Die Referenten: 1. Karam Khella, Agitator der ersten Stunde für die palästinensische Sache und Vordenker der Antiimps. Er macht keinen Hehl daraus, dass das „imperialistische Gebilde“ des „Siedler-Kolonialismus“, Israel, zu zerschlagen sei. Er erklärt die (historischen) Zionisten zu Kollaborateuren der Nazis und für mitverantwortlich am Holocaust. Heute sind nach seiner Lesart die Zionisten die Nazis des Nahen Ostens, deren Verhalten gegenüber den Palästinensern dem der Nazis gegenüber den Juden ebenbürtig sei. 2. Said Dudin, Betreiber der „unabhängigen“ palästinensischen Presseagentur für „unterdrückte Nachrichten“ aus den „besetzten Gebieten“ und für deutsch-palästinensische Freundschaft, „One World Media“. Said referiert am 28.09.2002 über „Die hoffähige Apartheid des Zionismus als eine multiethnische Kolonialbewegung“. 3. Mey Dudin, (Anmerkung zensiert) 4. Fritz Teppich diente Generationen von linken Antisemiten als Vorzeigejude fürs antizionistische Anliegen. Bekannt für wüsteste Beschimpfungen der israelischen Juden. 5. Stefan Pribnow, Herausgeber der aus dem PDS-Umfeld gesponserten Zeitschrift Kalaschnikow, die maßgeblich hinter dem „philosophischen Salon“ steht. Die Kalaschnikow ist publizistisches Bindeglied zwischen braunen und roten Volkstumssozialisten. Ihre Verbindungen reichen vom völkischen Flügel der PDS bis hinein in die Neo-Nazi-Szene. Sein Thema am 28.09.2002: „Ist Antizionismus Antisemitismus?“ Außerdem werden Klaus Wagener, Charly Kneffel und Stefan Bollinger referieren, die ebenfalls aus dem Umfeld der Kalaschnikow stammen. Sie sind durch offen antisemitischen Texte aufgefallen, die teilweise unter www.kalaschnikow.net heruntergeladen werden können.
Auf der Konferenz versammelt sich also das offen antizionistische Spektrum aus dem DKP/PDS-Umfeld, es wird zudem versucht, die Traditionsantifa einzubinden und die Konferenz ist eine Anschlussstelle sowohl zur autonom-antiimperialistischen Szene wie zu den autochthonen Funktionären und Propagandisten des palästinensischen Mordprogramms gegen die Juden. Aus der Erfahrung einer offen antisemitischen Vorgängerkonferenz mit Referenten des gleichen Spektrums am 20.04.2002 weiß man, dass solche Veranstaltungen mehr als 200 Leute mobilisieren können.

I.

Im Januar 1939 proklamierte ein deutscher Friedensfreund: „Die Völker wollen nicht mehr auf den Schlachtfeldern sterben, damit diese wurzellose internationale Rasse an den Geschäften des Krieges verdient und ihre alttestamentarische Rachsucht befriedigt. Über die jüdische Parole ‚Proletarier aller Länder, vereinigt euch’ wird eine höhere Erkenntnis siegen, nämlich: ‚Schaffende Angehörige aller Nationen, erkennt euren gemeinsamen Feind’!“

Ein halbes Jahr später führte eben dieser deutsche Friedensfreund, der den Namen Adolf Hitler trug, sein ihm treu ergebenes Volk in einen Krieg, in dem dieses Europa in Schutt und Asche legte und sein Ziel, die Vernichtung der Juden, welche ihm als „gemeinsame[r] Feind aller Nationen“ galten, nur deswegen nicht vollständig erreichte, weil die Armeen der Alliierten den Amoklauf der Deutschen stoppten. Die überlebenden Juden gründeten Israel als wehrhafte Selbstverteidigungseinrichtung zur Abwendung künftiger Katastrophen. Sie taten dies in der Ahnung, sich auf bürgerlichen wie linken Antifaschismus nicht verlassen zu können und daher auf die eigene Kraft vertrauen zu müssen. Eine Ahnung, die sich als sehr berechtigt erweisen sollte, denn alle, Bürgerliche wie Sozialisten gleichermaßen, waren unfähig, Nationalsozialismus und Antisemitismus zu begreifen, hätte dies doch erfordert, die Grundlagen des eigenen erbärmlichen Daseins – Kapital, Staat, Nation – in Frage zu stellen. Ihr Antifaschismus konnte daher nichts anderes sein als die Anklage illegitimer Herrschaft – Staatsterror, Parteidiktatur, Zerstörung der Demokratie u.s.w. Auch die autonome Antifa der 80er und 90er Jahre beschränkte sich im wesentlichen darauf, nach Ewiggestrigen am rechten Rand zu fahnden, die Machenschaften von Glatzen und Burschenschaftlern aufzudecken und Verbindungen der Eliten zum braunen Sumpf nachzuweisen. So sind die Antifaschisten heute unfähig, die sich immer bedrohlicher formierende Gefahr eines neuen, globalisierten Faschismus zu erkennen.

II.

Im Aufruf zum Weltsozialforum in Porto Alegre 2002 heißt es: „Neoliberale Globalisierung zerstört die Umwelt, Gesundheit und den Lebensraum der Völker. (...) Die Finanzmärkte entziehen den Gemeinschaften und Nationen Ressourcen und Reichtum und unterwerfen nationale Wirtschaften der Willkür der Spekulanten. (...) Militarismus und konzerngesteuerte Globalisierung verstärken sich gegenseitig, um Demokratie und Frieden zu untergraben. Wir lehnen den Krieg als Weg der Konfliktlösung radikal ab und widersetzen uns dem Wettrüsten und dem Waffenhandel. (...) Wir fordern alle Völker rund um die Erde auf, sich diesem Kampf für den Aufbau einer besseren Welt anzuschließen. Das Weltsozialforum von Porto Alegre ist ein Weg, die Souveränität der Völker und eine gerechte Welt zu errichten.“

Damals wie heute seien es die wurzellosen Blutsauger, welche die Nationen ausrauben und aus reiner Profitgier in Kriege stürzen, damals wie heute werden die Völker zum Kampf um ihren Lebensraum aufgerufen. Und damals wie heute rüsten die Friedensfreunde zum Krieg gegen die Juden: „Eine der fundamentalsten Aufgaben unserer Bewegung ist es, die Solidarität mit dem palästinensischen Volk und seinem Kampf für Selbstbestimmung angesichts der brutalen Besetzung durch den israelischen Staat zu organisieren“, heißt es in der Abschlusserklärung des Sozialforums, und dass Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes auf die Auslöschung des Judenstaats hinausläuft, könnte sich als das mit schlafwandlerischer Sicherheit verfolgte Ziel der sich oft naiv gebenden Völkerfreunde erweisen. Adolf Hitlers Vision droht Wirklichkeit zu werden, die „schaffenden Angehörigen aller Nationen“ schließen sich zusammen gegen den „gemeinsamen Feind“, sei es nun in Porto Alegre, auf der antisemitischen Antirassismuskonferenz in Durban oder bei anderen Versammlungen der UNO, wo die vereinigten Völker Resolutionen gegen den Staat des Antivolks der Juden beschließen. Unterstützt wurde diese Entwicklung von einer verkommenen Linken, welche schon längst die von Hitler aus gutem Grund gehasste, weil gemeinschaftszersetzende Parole „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ verworfen und sich statt dessen des Führers „höhere Erkenntnis“ vom antiimperialistischen Kampf der Völker zueigen gemacht hat. Ob sie nun als UCK-Kommandanten an einem judenfreien Kosovo arbeiten, als Muslimbrüder ihren Anhängern Tugend und Terror predigen oder als NGO-Sprecher auf internationalen Konferenzen gegen Israel hetzen – immer wieder sind es auch verkrachte linke Intellektuelle, ehemalige Marxisten, welche, nachdem sie politisch wie persönlich gescheitert sind, heute als Einpeitscher und Organisatoren Karriere machen, die hasserfüllten Massen formieren und ihnen so erst die Möglichkeit geben, größeres Unheil anzurichten.

Der Traum von der Befreiung wurde ins Gegenteil verkehrt: Bei allen Fehlern – unter der Losung des proletarischen Internationalismus fanden sich einst Menschen zusammen, die gegen Staat und Nation den grenzübergreifenden Zusammenschluss von Individuen im Sinn hatten, um gemeinsam für eine vernünftige Organisation der Welt zu kämpfen. Antrieb war ihnen die Utopie einer befreiten Gesellschaft, die nach den Bedürfnissen der Einzelnen sich ausrichtet; die Liebe zum Menschen, wie er sein könnte, wenn eben die Verhältnisse andere wären. Ist heute von Völkerfreundschaft oder antiimperialistischen Kämpfen die Rede, drückt sich in dieser der Hass der sogenannten Antirassisten auf die Menschen aus: Nicht individuelle Freiheit und bessere Lebensbedingungen wünscht man ihnen, sondern die Verlängerung ihres elenden und geknechteten Daseins als ungebildete Mitglieder einer Gemeinschaft, sei dieses nun völkisch oder religiös motiviert. Zusätzlich verhöhnt werden sie, indem sowohl ihr materielles wie auch geistiges Elend zu einem Ausdruck authentischer Kultur umgedeutet werden.

III.

Für die Referenten, die auf der „Nahost-Konferenz“ im Neuen-Deutschland-Haus gegen Israel hetzen werden, steht der große Karrieresprung noch aus. Momentan sind sie völkische Agitatoren im Wartestand und keiner weiß, ob ihr pervertierter Traum von sich als der Avantgarde in Erfüllung gehen wird, die die Massen, wenn schon nicht zur Freiheit, dann doch wenigstens in den Untergang führen darf und sie vorher noch zur Tötung möglichst vieler Juden motiviert. Gut möglich, dass die Deutschen und ihnen Gleichgesinnte dann, wenn die große Krisenbewältigung ansteht, ganz ohne sie auskommen werden.

Die Linke jedoch steht vor einer Entscheidung: Wird sie sich weiterhin auf die Seite derer schlagen, die sich zwar als avantgardistische Minderheit vorstellen und doch nichts anderes sind als die schlimmsten, weil radikalsten Vertreter des deutschen Konsens, völkische Antikapitalisten und antisemitische Friedensfreunde? Oder wird sie ihrem Anspruch, als emanzipatorische Kraft zu wirken, gerecht werden? Dazu müßte sie zuallererst Positionen, wie sie im Rahmen der „Nahost-Konferenz“ der Kalaschnikow verbreitet werden, als das erkennen und benennen, was sie sind: völkisch, antisemitisch, geschichtsrevisionistisch, regressiv.

Für den Kommunismus!

Redaktion Bahamas, Bündnis gegen IG Farben, Antideutsche Kommunisten Berlin


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last modified: 28.3.2007