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From Disco to Disco.

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Plädoyer für ein bewährtes Konzept: Benefiz-Dissen

Kommt die Sprache auf die inzwischen monatlich stattfindenden 80-Jahre-Benefiz-Dissen im Eiskeller (siehe: Flyer für die nächste auf dieser Seite), so ist als Hauptkritikpunkt immer wieder zu hören, man habe sich hier ein Pendant zur grassierenden Retrowelle geschaffen, dessen kulturelles Niveau gleich Null tendiert.
Trotzdem liegen die Unterschiede zu ähnlichen Verstaltungen wie im Werk II auf der Hand und sind – wie sicherlich schon vermutet – politischer Natur. Party-Aspekt und das Heraufbeschwören der eigenen Jugend verlieren sich nicht vorrangig in persönlicher Betrachtung, sondern sind definiert über politisches Selbstverständnis und die gemeinsame Sozialisation in subkulturellen Zusammenhängen.
„Wisst ihr, was euer Problem ist? ihr Linken trinkt zuviel!“, äusserte sich besorgt ein stadtbekannter Besucher gegen Morgengrauen auf einer der letzten Diskos über die allmonatlich zu beobachtenden Exzesse und brachte damit vielleicht am besten zum Ausdruck, was den Grossteil der Konsumenten eint: die Hilflosigkeit und Kapitulation vor dem Hintergrund der gemeinsam erfahrenen, momentanen Sinn- und Motivationskrise der radikalen Linken. Politisch korrektes Massenbesäufnis also? Das kollektive Schwelgen in den „guten alten Zeiten“ ist eher Begleiterscheinung denn gewünschter Effekt.
Schirmfrau des Benefiz-Discos, 10.1k Schliesslich geht es um die finanzielle Absicherung autonomer Politik in Leipzig und Umgebung. Denn die kapitalistische Verwertungslogik entwickelt auch Einfluss auf die Funktionsweise politischer Arbeit: wo nichts verkauft wird, kein Geld zu verdienen ist bzw. sich das Engagement gegen das kapitalistische System an sich richtet, sind dem finanziellen Rahmen Grenzen gesetzt.
Dies trifft umso mehr Strukturen, die sich aufgrund der verschärften gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und fehlender personeller Unterstützung aus den eigenen Reihen dazu gezwungen sehen, zu 100% Zeit und Energie zu investieren, damit überhaupt Erfolge zu verzeichnen sind. Dies kann auf Dauer sehr wohl bedeuten, sich quasi „hauptberuflich“ dem Feld „gesellschaftliche Veränderung“ zu widmen. Werden dabei nicht ohnehin private Mittel zugeschossen, stellt die Frage des Gelderwerbs eine zusätzliche Belastung dar.
Ladi Di, 9.9k Möglichkeit und Notwendigkeit zugleich, sich diesem Kreislauf zu widersetzen, ist das Auftun eigener Finanzierungsmodelle, sei es durch „Antifa-Mark“ oder eben die Benefizpraxis. Demnach werden kulturelle Angebote auch in erster Linie nach ihrem politischen und finanziellen Nutzen als nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt.
Übertragen auf die Benefizparties lässt sich das (überspitzt) folgendermassen darstellen: Wenn das Geld stimmt, ist die Qualität des kulturellen Angebots minder ausschlaggebend. Unter Betrachtung des kulturellen Aspekts zweifelsohne kein besonders schmeichelhaftes Argument.
Aber vielleicht finden sich ja endlich mal Leute, die die ohnehin auf wenigen Schultern lastende Arbeit der Politfraktion mit kultureller Praxis, sagen wir mal auf 2000er Niveau, verknüpfen, politische Inhalte zugleich transparenter machen und letztendlich helfen, linksradikale Politik im doppelten Sinne wieder effektiver zu gestalten. Beide Seiten können hier viel voneinander lernen.
jetlag

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last modified: 28.3.2007