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Uns erreichten insgesamt 6 Briefe zum Thema SpringtOifel-Veranstaltung, die wir hier dokumentieren:
(Wir haben da, wo wir es für notwendig gehalten haben, Namen von real existierenden Personen gestrichen.)
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LeserInnenbriefe.


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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

An das CI-Plenum!

Wiedereinmal – und diesmal richtig heftig – wurde mir vor Augen geführt, wie deutsch wir doch alle sind. Voll mit Vorurteilen behaftet, richtet sich unser Haß nicht gegen Flüchtlinge (in manchen Fällen vielleicht auch), sondern gegen Hippies und alle, die anders sind als wir selbst. Wir, damit meine ich Antifamachos (männliche wie weibliche) und Typen und Typinnen aus diversen Subkulturen, die Gewalt einfach geil finden. Nein, Gewalt wird nicht mehr „nur“ als Mittel zum Zweck gesehen, um sich oder andere zu verteidigen, sondern du bist nur wer, wenn du gut zuschlagen kannst. Wenn nicht, müssen wir dir leider mitteilen, daß du Pech gehabt hast. Dir wird dann ins Gesicht gesagt, daß „Rebellion erst einmal immer gut ist“, auch wenn du gerade Opfer dieser Rebellion (wie vielleicht auch Frauen, Homosexuelle, Flüchtlinge oder andere Opfer von irgendwelchen Rebellionen werden können) geworden bist. Aber auf Einzelfälle kann keine Rücksicht genommen werden, schon gar nicht, wenn es sich um nutzlose kiffende Leute handelt. Es bleibt dir allerdings nicht verwehrt, ins Conne Island zu gehen und dort zu erzählen, daß du angegriffen worden bist. Dort wird dir dann zwar gesagt, daß dich niemand leiden kann und manche werden dir ihren Haß zum Ausdruck bringen. Dann wird man dir aber versichern, daß der „Toleranzbogen“ nun aber doch überspannt ist und die „Randalebrüder“ nun einen Rüffel bekommen werden. Auch Sexismus scheint kein größeres Problem darzustellen, denn Machogehabe ist in der Skinheadszene nicht weiter verbreitet als in der HC-, Punk-, Techno- und Antifaszene. Da es - wenn es überall so ist - nicht sonderlich übel sein kann, braucht man(n) sich darüber auch keine Sorgen zu machen.
Entschuldigt, daß ich so polemisch daherkomme, aber es fällt mir schwer, Ereignisse und Äußerungen die in der letzten Zeit passiert bzw. gefallen sind, in meinem Kopf zu verarbeiten. Ich kann schon sagen, daß ich einiger Illusionen beraubt worden bin und ich frage mich, mit wem ich in den letzten Jahren politische Arbeit gemacht habe und ob ich das in der Zukunft (so) noch will. Wenn ein Angriff von Skinheads aus dem Conne Island auf junge Leute im Werk II bei einer Woodstockparty damit begründet wird, daß es schon immer diverse Spannungen zwischen den einzelnen Subkulturen gibt und das die AngreiferInnen, auch wenn sie den rechten Arm recken, noch lange keine FaschistInnen sind, weil „nicht alle die den Hitlergruß machen Faschisten sind“ - höre ich jeden Tag über die Medien. Mal provokativ gefragt: Woher nehmen die, die das behaupten, dann eigentlich die Sicherheit, wenn sie irgendwo hören oder lesen, Jugendliche haben unter Heil Hitler-Rufen die und die angegriffen und zusammengeschlagen, daß es sich bei diesen um FaschistInnen handelt? Wenn Leuten, die pauschal als Hippies deklariert werden (weil ihre Haarlänge vielleich zehn Millimeter überschreitet o. ä.) praktisch das Existenzrecht abgesprochen wird, weil sie bloß kiffen und zu eh nichts anderem zu gebrauchen sind. Nichts, bedeutet dabei, daß sie nicht rebellieren und andere Leute verprügeln. Dann kriege ich schon einige Zweifel.
Ich scheiße auf das ganze Geschwafel von Subkultur – Skinheads gegen Punks, Punks gegen Hippies, Skinheads gegen Hippies oder was weiß ich noch. Oder das der Sexismus in der Skinheadszene nicht schlimmer als in der HC-, Punk-, Techno- und Antifaszene ist. Oder daß wir uns daran gewöhnen müssen, mit der Gewalt zu leben, weil es überall nur Gewalt gibt. Ich denke, wir sollten das Maul aufmachen, wenn sich Leute sexistisch verhalten und sollten Gewalt nur anwenden, um Gewalt zu bekämpfen, nicht weil Gewalt geil, sondern weil sie notwendig ist. Notwendig bedeutet dabei nicht, sich selbst zu erhöhen, wenn man auf andere eindrischt, sondern daß man sich selbst oder andere vor Angriffen schützt.
Letztlich frage ich mich auch, was unter Linkssein verstanden wird. Für mich war und ist ein zentraler Punkt dabei, die Gleichheit von Menschen, also das niemand über dem/der anderen steht. Dies ist vielleicht sehr naiv oder es gehört vielleicht auch in die Vergangenheit, aber ich finde, daß es immer noch ein zentraler Punkt linker Politik sein sollte. Leider glaube ich, daß ich damit – zumindest was einen Großteil des politischen Umfeldes in dem ich gearbeitet habe betrifft – ziemlich allein stehe.
Was bei mir völliges Unverständnis auslöst, ist, mit welcher Vehemenz Prügeleien zwischen den Subkulturen verteidigt bzw. verharmlost werden. Als gebe es nicht genug zu tun und könnten nicht genug Auseinandersetzungen gesucht werden. Tagtäglich werden Leute aus rassistischen oder anderen faschistischen Motiven angegriffen, verprügelt und oft getötet und wir haben dabei nichts besseres zu tun als uns rumzuprügeln, wo es nur geht und das dann mit Zugehörigkeiten zu den einzelnen Subkulturen zu begründen.
Was ich noch sagen will ist, daß ich bisher noch die Hoffnung hatte, daß Menschen aus den verschiedenen linken und sich links nennenden Projekten irgendwann doch noch eine gemeinsame Basis finden, um miteinander politisch zu arbeiten. Diese Hoffnung habe ich spätestens nach dem „Springtoifelkonzertplenum“ aufgegeben, da mir bewußt wurde daß eine Kommunikation nicht mehr möglich ist. Ich habe versucht, mich bisher aus solchen Projektquerelen rauszuhalten und Menschen, mit denen ich arbeite und die ich zum Teil zu meinen Freundinnen und Freunden zähle, nicht danach auszusuchen, aus welchem Projekt sie kommen.
Ich hoffe, daß es mir auch weiterhin möglich bleibt, dies zu tun und ich nicht irgendwann vor die Wahl gestellt werde - dieses oder jenes - weil alle nicht mehr miteinander reden und sich nicht mehr verstehen können und dies in offene Feindschaft umgeschlagen ist und die Leute sich gegenseitig plattmachen und die Projekte kaputtmachen.
Nun noch was zum Plenum selbst. Es ging ziemlich schnell nicht mehr um das Springtoifel-Konzert, sondern um Zwistigkeiten zwischen den Projekten und Leuten. Dabei wurde ein Diskussionsklima geschaffen, in dem sich viele Leute nicht mehr getraut haben, etwas zu sagen und deshalb ist auch das Fazit, wenn nur wenige Leute etwas gesagt haben, dann sind die anderen nur aus Interesse hier und haben keine Probleme, falsch. Stattdessen wurden die, die etwas gegen das Konzert gesagt haben, lächerlich gemacht oder sie wurden massiv unter Druck gesetzt. So gab es nur ganz wenige Leute, die ausreden durften. Die meisten wurden sehr schnell unterbrochen, ohne daß sie ihre Gedanken formulieren konnten und wurden zudem häufig persönlich angegriffen. Daß sich unter diesen Voraussetzungen nur ganz wenige Leute trauen etwas zu sagen, liegt auf der Hand. Ich selbst gehöre auch dazu. Auch das großzügige Angebot , wenn Leute Probleme haben, können sie sich gerne an das CI-Plenum wenden, wird wohl unter diesen Bedingungen kaum auf Interesse stoßen, da wohl niemand Lust haben wird, sich vor ein Tribunal zu stellen, an dessen Ende höchstwahrscheinlich steht, daß alles umsonst war. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß dieses Plenum eigenlich nur einberufen wurde, um darzustellen, was man schon alles tut im Zusammenhang mit diesem Konzert und anderen Oi-Konzerten und um am Ende sagen zu können, wir haben doch ein Gesprächsangebot gemacht. Das dies eigentlich keins war, läßt sich aus dem Ablauf des Plenums und aus den Äußerungen am Ende des Plenums, daß eigentlich gar niemand weiß warum das Plenum gemacht wurde, weil, man hat sich ja eh nichts vorzuwerfen, und daß vor dem Plenum soundso schon feststand, daß das Springtoifel-Konzert stattfindet, ableiten.
Um noch ein paar platte oder vielleicht gar nicht so platte Parolen ans Ende zu setzen:
RassistInnen und SexistInnen bleiben eben das was sie sind, egal ob sie Glatze haben, ein Iro ihren Kopf schmückt oder ihre Haare bis zum Arsch reichen – seien sie verfilzt oder durchgekämmt, und Arschlöcher bleiben eben Arschlöcher.

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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

Liebes Conne Island-Team!

Ihr habts geschafft. Ich hab zwar nichts gegen das SpringtOifel/Stiff Little Fingers-Konzert einzuwenden, aber mit Eurer schriftlichen Stellungnahme dazu habt Ihr mich auf die Palme gekriegt.
„Wer schon mal einem Oi!Konzert bei uns beigewohnt hat, weiß, wie gut die Party abgeht, daß es auch zu der einen oder anderen Schlägerei zwischen Glatzen und auch zwischen Punks und Glatzen kommt. ... Es ist schon so, daß wir Hippies nicht unbedingt mögen, einige durchaus offen zugeben, sie zu hassen... Wir geben ehrlich zu, gegen das Rumstänkern bei Hippie-Parties können wir schwerlich etwas sagen...“
Wollt Ihr vielleicht bloß noch Ois in Eurem Laden haben? Falls nein, dann scheint Ihr Euch einzubilden, daß alle Nicht-Ois MasochistInnen sind bzw., daß alle es geil finden, auf „gut abgehenden Parties“ ihre Meinung per Pöbel- bzw. Schlägerei zu verkünden.
Ich persönlich kenne nur einen Hippie in Leipzig, den kennt Ihr auch, nämlich jemand, der mal im CI gearbeitet hat. Wenn Ihr Euer Flugblatt ernst meint, & das setze ich bei erwachsenen Menschen mal voraus, dann findet Ihr es ganz okay, ihn anzumachen. „Nett“, daß Ihr es unfair findet, ihn gleich zu verhauen.
Ich sehe das so, nämlich daß jener Mensch Euch nichts getan hat, also fangt Ihr hier an zu provozieren.
Was ich etwa bei Hools okay finde, nämlich daß ihre Rangeleien auf beiderseitigem Einverständnis basieren, trifft hier nicht zu.
Falls aber, wie mir inzwischen sattsam bekannt ist, der Begriff >>Hippie<< ganz pauschal auf alles Langhaarige angewandt wird, dann wird Eure Haßtirade auch nicht intelligenter. Ich kenne WoodstockdiscobesucherInnen, die regelmäßig, und zwar mit Euch, auf Antifademos gehen. Ich würde sie zwar nicht als Hippies bezeichnen, aber Schlaghosen & Gesichter, die nicht zur Faust geballt sind, reichen ja schon, nicht wahr?
Wenn dienstfrei ist, nach den Demos, ist nichts dagegen einzuwenden, sie anzustänkern? Sagt jetzt nicht, es gibt Leute, die Ihr kennt & die aussehen wie Hippies & die „trotzdem“ ganz okay sind. Ihr könnt nicht alle Leute kennen.
Leute anzumachen, die nicht angefangen haben und auch nicht vorhaben, Zoff zu machen, ist & bleibt Scheiße & hat überhaupt nichts mit Rebellion zu tun.
Und dann das Flugblatt noch mit „If the kids are united“ beenden. Unter der Oberherrschaft der Glatzen oder was?
Ich wünschte, daß die, die von Ois oder, wenn ich das richtig verstanden hab, auch Euch angemacht werden, weil sie Hippies seien, mal kräftig zuhauen, damit Ihr Euch nicht weiter einbildet, solche Sprüche gratis machen zu können. Euer Feindbild Hippies (die’s außer dem genannten Menschen gar nicht gibt) ist nämlich feige. Ein Feind, den es nicht gibt, ist ja auch nicht gefährlich.
Diejenigen, die, meist ohne es zu ahnen, in ein solches Feindbild fallen, haltet Ihr offenbar für schwach, also für „anmachenswert“. Das ist menschenverachtend. Denkt mal darüber nach. Für mich ist Menschenverachtung faschistoid.
Übrigens habt Ihr, zumindest für meine ausschweifende Phantasie, eine hochinteressante Interpretation des 100-Mann-Überfalls auf die Stö 1990 mitgeliefert. Damals wohnte noch jede Menge Langhaariger (z.B. auch ich) und auch schon Punks dort. Die Glatzen, die da anrückten, mochten bloß keine Hippies, was? Es war auch alles fair, denn es ist niemand verletzt worden und nur ein paar Scheiben waren kaputt. Ne einfache „Stänkerei“ gegen Leute, die man nicht mag und die sich mal kräftig in die Hosen machen sollten.
Damals haben sich die Hippies und die Punks, die zu feige sind, „sofort“ auf „Nazi-Skins ... los“zu„stürmen“ (Zitat: Eures Flugblatts), zumindest ein Teil davon, zu dem ich allerdings nicht gehörte, zur Wehr gesetzt. Das war die einzige Sprache, die die übrigens „Oi!Oi!Oi!“ rufenden Glatzen verstanden haben.

Übrigens möchte ich zum Thema Ehrlichkeit noch sagen, daß bislang niemand vom CI den Arsch in der Hose hatte, sich vor mich hinzustellen und seinen Spruch „Never trust a Hippie“ aufzusagen, obwohl ich schon öfter keinen Hehl daraus gemacht habe, daß ich zwar keiner bin, aber dort meine Roots habe & behalten werde.
Ich bitte hiermit, das nachzuholen.
Never trust an Oi, Zensi.


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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!

Grund: „SpringtOifel“-Konzert im Conne Island

Voller Erwartung haben wir am letzten Donnerstag an Eurer Infoveranstaltung teilgenommen. Trotz Eures Infos hatten wir immer noch gehofft, irgendwie könnten wir in Connewitz zu einer gemeinsamen Lösung finden. Eigentlich dachten wir, eine Grundlage für gemeinsames Handeln bestehe noch in unserer gemeinsamen antifaschistischen Überzeugung. Wir dachten, daß Ihr vielleicht gemerkt habt, daß Ihr mit Eurem Info bereits eine fatale Übereinstimmung gerade mit den Herrschaften aufweist, gegen die Ihr ach so konsequent kämpft. Dem war aber nicht so. Im Gegenteil, habt Ihr noch einiges drauf gelegt.
Schon allein der Stil der Veranstaltung erinnerte an böse Zeiten. Da läßt Mensch eine Minderheit, zu der auch wir zählten, auf dem Sünderbänkchen sitzen, setzt dem die geballte Macht derer gegenüber, die sowieso die Meinung der Macher vertritt. Mensch thronte in einer Arroganz über all dem und teilte mit, daß die Könige nichts mehr zu sagen haben. Soll sich doch das einfache Volk untereinander waffeln.
Nun zu Eurem berühmt-berüchtigten Einleitungsblättchen:
Wie Euch sicherlich bekannt ist, vertreten wir nicht die Position, daß jede Glatze ein Faschist ist. Im Gegenteil, sie gehören sowohl zu unserem Publikum wie auch zu unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern – solche Glatzen. Diese sind uns genauso wertvoll wie ein Mitarbeiter mit z.B. langen Haaren, von Euch auch Hippie genannt.
Ihr werdet es kaum glauben, diese kiffenden, inaktiven Subjekte (neues Feindbild!?) haben nicht nur unseren Jugendtreff mit aufgebaut, sondern arbeiten auch aktiv in verschiedenen Antifa-Initiativen mit. Ich hoffe, ich habe damit nicht Euer Weltbild zerstört.
Und es sind und waren auch Leute unter diesen schlechten Menschen, die u.a. bereits die Stö auch mit Mitteln verteidigt haben, die in Euer antifaschistisches Weltbild paßten, als Ihr noch zu dieser Szene eine ganz praktische Verbindung hattet.
In Eurem Flyer wird einfach mal so festgestellt, daß Ihr nicht nur die „Hippies“ nicht leiden könnt, sondern daß bei Euch auch Haß gegen diese Leute vorhanden ist.
Wie weit seit Ihr eigentlich gesunken, wenn solche Aussagen nicht einmal kritisch gesehen werden. Jedenfalls tragt Ihr mit solch einer Haltung dazu bei, daß die Gewalt in Leipzig unter Antifaschitsen weiter eskalieren kann. Damit tragt Ihr auch nicht unwesentlich zur Spaltung der antifaschistischen Bewegung bei, über die Ihr sonst so jammert.
Der Gipfel Eures Schwachsinns ist dann noch die Aussage, „daß Rebellion erstmal immer gut ist“. Welchen Inhalt diese Rebellion hat, ist Euch offensichtlich scheißegal. Wir jedenfalls haben von dieser Art der Rebellion, die wir hautnah erleben konnten, die Schnauze gestrichen voll. Und wir werden es nicht zulassen, daß Ihr Euch am nächsten Wochenende wieder einmal als antifaschistische Helden feiern lassen könnt.
Will heißen: Wir lassen die Halle 5 zu. Dies erstens deshalb, weil wir keine Bock darauf haben, nach Eurem Konzert uns unseren Laden und unsere Gäste von Euren Besuchern aufmischen zu lassen. Genauso wenig Bock haben wir darauf, Euch nach dem Konzert, für das allein Ihr verantwortlich seid, dann als die großen Retter zur Halle 5 zu holen.
Bratet weiter in Eurem eigenen Saft!
Wir schreiben diesen Brief in der Hoffnung, daß Ihr noch in der Lage seit, Euch und Euer Tun in Frage zu stellen, selbst auf die Gefahr hin, daß wir damit wieder einmal mit den Fäusten Eurer Helden konfrontiert werden.


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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

aber der schlimmste spießer ist der antispießer!

wenn mit gestern noch eineR gesagt hätte, ich würde gemeinsame sache mit leuten machen, die ihre feindbilder aus der reihe der andersaussehenden rekrutieren, hätte ich ihm/ihr...
...nein, natürlich nicht auf die fresse gehauen, aber zumindest einen dicken vogel gezeigt und mit diesem absurden vorwurf stehen gelassen.
heute muß ich mich das leider nicht nur selbst fragen, sondern auch, was mein ganz persönlicher beitrag zu dieser ganzen entwicklung gewesen ist.
es fängt immer an mit vorurteilen, mit unüberprüften gerüchten, mit dem starren blick auf die eigene (soziale, (sozio)kulturelle, antifaschistische oder wie auch immer geartete) arbeit, die natürlich immer am p.c.-sten ist. die anderen machen in der regel weniger oder ganz einfach nichts. oder das falsche und damit einfach nur scheiße.
das ist dann die stufe, in der vorurteile schon kaum noch auflösbar sind. nicht nur, weil sie sich festgesetzt haben, sondern weil sie als solche schon gar nicht mehr erkannt werden.
wir haben eine feste meinung, die natürlich auch die meinung der jeweiligen gruppe ist, der wir angehören. was mir im übrigen eine besonders in diesem land schon seit jahrhunderten ausgeprägte eigenschaft zu sein scheint.
persönlich tut es mir weh, wenn ich in der liwi oder irgendwo anders vollgelabert werde mit dem ewig ähnlichen einstiegssatz wie „dein-scheiß-conne-island“ in einfallslosen leichten abwandlungen (könnte auch heißen scheiß-sozialarbeiterinnen, scheiß-abgehobene antifatypen und... und... und.). und nicht immer habe ich zeit und nerven genug, solche „meinungen“ zu hinterfragen. meist laufen solche dinge ja auch, wenn du nicht dabei bist.
also wenn du zeit und geduld genug hast und es mal nicht hinter deinem rücken passiert und du nicht schon ohnehin mies drauf bist, läßt du dich auf das jeweilige thema ein.
meist entweicht dann die ganze heiße luft und macht platz für infos, wo sich vorher gerüchte breitgemacht hatten.
das ist mühsam, aber leider eine der wenigen möglichkeiten, vorurteile aufzuklären.
mensch muß dabei nicht auseinanderrennen und das jeweils andere projekt/die gruppe/den typen nun ungeheuer gut finden. mensch weiß einfach etwas mehr.
ich kann natürlich auch meine eigenen vorurteile dagegenstellen.
das bringt außer wechselseitigen adrenalinfontänen nun überhaupt nichts.
außer, das es peinlich ist. und auch gefährlich. eben typisch bürgerlich.
spätestens seit gestern kann ich nicht mehr übersehen, daß wir im engeren umfeld – also das, was (fast) alle früher „kiez“ nannten – nicht nur wechselseitig voller vorurteile sind, sondern es ist von „haß“ die rede.
von „erklärbarem haß“ wird in dem pamphlet geschrieben, daß gestern beim „wir-zerstreuen-eure-bedenken-plenum“ des eiskellers erstmal für ein kleines lesestündchen sorgte.
„ein durchaus beliebter spruch bei uns ist: never trust a hippie.
es ist schon so, daß wir hippies nicht unbedingt mögen, einige durchaus zugeben, sie zu hassen. ohne die grundsätzliche ablehnung des friede-freude-eierkuchen-geschwafels wäre der laden, so wie er ist, niemals möglich geworden. wir wollen vermitteln, ... daß rebellion erstmal immer gut ist.“
zum ersten fallen mir beim thema „hippie“ zeiten ein, über die ich viel unhinterfragbar quatschen könnte, weil fast die gesamte szene damals noch in mutti’s eierstöcken schaukelte.
„hippies und langhaarige“ waren damals lieblingshaßwörter der biederbürgerInnen und des staatlichen repressionsapparates.
und mit derselben arroganz und dummheit des repräsentativen querschnitts der kleinbürgerInnen der sechziger jahre wissen also nun ein paar eizellen von damals schon wieder, was hippies sind: natürlich langhaarige. und der sitzt bekanntich in seiner nische und kifft sich die birne zu, und kümmert sich sonst um ganz und gar nichts.
und wehren kann er sich natürlich auch nicht. dabei ist es in dieser zeit, wo mensch aller orten von fast jedem einfach so ein paar auf die fresse kriegen kann, nicht nur wichtig, sondern auch irgendwie geil.
bei mir fällt das unter die rubrik: gewaltverherrlichung.
aber jemand, der sich ja ansonsten auch nicht drum kümmert, was in puncto faschos so landesweit los ist, hat natürlich auch jegliches recht auf psychische und physische unversehrtheit halbwegs verloren.
natürlich bedauern wir die einzelopfer, die zur falschen zeit am falschen ort waren, schon irgendwie, aber: die welt ist nun mal so! und weil das so ist, sollte mensch das als gegeben akzeptieren.
was nicht stark ist, geht eben unter. natürliche auslese sozusagen.
diese argumente kenne ich nun schon von meinen großeltern.
(an den sozialisationsmethoden scheint manchmal doch soviel dran zu sein, daß ich kotzen könnte.)
WIR WOLLEN VERMITTLEN, DAß REBELLION ERSTMAL IMMER GUT IST!!!
oder, um das abschlußstatement zu zitieren: uns sind leute immer noch lieber, die gegen etwas sind, als solche, die in ihrer nische hocken und sich zukiffen.
womit der in der zwischenzeit ob der unsäglich unsachlichen anpisserei der zahlenmäßig weit unterlegenen angsthasenfraktion endgültig die berechtigung entzogen wurde, rumzumosern und angst zu haben.
wenn euch leute immer noch lieber sind, die gegen etwas sind, dann schließt das undifferenzierterweise u.a. auch faschos aller coleur ein. denn die sind ja wohl ganz gewaltig gegen dieses und jenes.
ich denke auch, es reicht bei weitem nicht aus, irgendwogegen zu sein. mensch sollte irgendwie auch wissen, wofür er statt dessen ist.
es kotzt mich auch an, daß wir viel zu wenige sind, die versuchen, etwas gegen den zunehmenden gesellschaftlichen rechtsruck zu tun. aber pervers wird es, wenn ich auf der einen seite alle überfälle, morde und andere unsäglichkeiten politisch ausschlachte und krokodilstränen über die armen opfer verliere, denen ich andererseits ganz privatim verklickere, daß ihnen eigentlich recht geschehen ist – oder sind wir sicher, daß das mädchen, dem die zahnspange von faschos durch’s gesicht gedroschen wurde, eine gestandene antifaschistin ist oder daß der gemüsehändler, der viehisch abgeschlachtet im ammelshainer see landete, jemals was gegen faschos getan hat?
ein typ, der etwas gruftig oder anderswie nach feindbild einer anderen jugendsubkultur aussieht, sollte an oi-, ska- und ähnlichen konzerttagen nicht nur gefälligst zuhause bleiben, außerdem sind 7.000 seiner freunde zu pfingsten in connewitz. ist ja auch alles andere als schön mit ihren runen und theateroutfit. und die wollen auch nicht diese art von spaß haben.
obwohl auch der eiskeller in jedem jahr pfingsten konzertort des gothic-treffens ist.
klasse, nach dieser argumentation bin ich nicht nur für jede antifaschistischtin dieses planeten, ihr aussehen und tun verantwortlich, sondern in diesem jahr auch für die gruppe der achtundvierzigjährigen und brillenträgerInnen.
wie hätte am donnerstag eigentlich die argumentation ausgesehen, wenn sich – natürlich wird das nicht passieren – leute sichtbar ohne deutsche staatsangehörigkeit ins plenum verirrt hätten? von denen sollen ja auch nicht alle politisch interessiert sein und wenn schon, dann ab und zu gar nicht links und antinationalistisch.
und ist es wirklich ein argument, daß ich im saal ein paar frauen anquatschen muß, die sich gerne hauen, wenn ich angemacht werde? und was ist mit denen, die niemanden kennen oder nicht zur mutti rennen wollen?
und sollte mensch eineN feiern, nur weil er/sie sich gern rumdrischt?
was das vorurteil über die hundert faschos betrifft, die ab und zu bei konzerten zugange sein sollen, weiß ich, daß es wahrscheinlich wesentlich weniger sind. aber wie soll der typ, der das äußerte, die restlichen 90 einordnen, die einfach nur ihren spaß haben wollen? ich meine, wenn sie auf ihn zukommen...
(natürlich ist auch nicht jeder gladiator einer heranwalzenden hundertschaft ein fascho, aber den darf ich jederzeit so nennen. unter uns natürlich, sonst gibt’s ärger mit der justiz.)
„auch das machogehabe ist in der endkonsequenz (bei oi-konzerten) so ausgeprägt wie beispielsweise in der hc-, punk-, hip hop-szene oder bei techno-parties. ebenso auch innerhalb der antifa-szene. da brauchen wir uns nichts vorzumachen.“
was soll’s also. wenn das überhaupt so ist. millionen fliegen können nicht irren.
wißt ihr, was mich an euch an diesem abend am meisten entsetzt hat?
das ihr solcherlei nicht nur als gegeben annehmt, sondern daß es euch auch noch zu gefallen scheint. daß sich damit also auch nichts ändern wird.
es klingt schon ziemlich höhnisch, wenn die initiatoren eines projektes konzerte machen, für deren mögliche auswirkungen durch’s herbeigelockte publikum jene andere (mit)verantwortlich sein sollen, die solche veranstaltungen nicht wollen.
sie erst einzuladen (statt hinzugehen), ihnen eine vorgefertigte meinung vorzusetzen in form von pöbeleien, unterstellungen und beleidigungen und ihnen zum abschluß auch noch anzubieten, daß sie ja bei fragen und problemen jederzeit zum eiskeller-plenum kommen könnten, ist der gipfel.
wie sagte doch einer: ihr merkt ja gar nicht mehr, wie abgehoben ihr seid.
recht hat er.
falls von denen bis zum donnerstag noch irgendeineR die hoffnung gehabt hat, daß kommunikation untereinander möglich ist, so ist sie an diesem abend gestorben. und das ist nicht die schuld derer, die die einladung angenommen haben, auch wenn sie versucht haben zurückzupöbeln.
was hätten sie denn auch sonst tun sollen? die wände anquatschen?
als antifaschistin befürchte ich, daß wir mit solchen aktionen in der eigenen stadt immer weniger leute finden werden, die bereit sind, sich am antifa-plenum zu beteiligen oder überhaupt irgendwie mit uns zusammenzuarbeiten.
und ich weiß auch, daß mensch so wechselseitig projekte kaputt macht.
und wie schnell eine selbstherrliche und aggressive subkultur andere subkulturen plattmacht, wissen wir alle nicht erst seit der analyse faschistoider jugendszenen.

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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

Rebellion ist gerechtfertigt!

Ich möchte die Skinheadszene verteidigen, wie auch den Conne-Island-Team-Artikel. Ihr seit wenigstens ehrlich, wenn Ihr zugebt, daß manche aus Euerm Umfeld Hippies hassen. Warum solltet ihr differenzieren, wie ihr es auch in Bezug auf die Skinheadszene von anderen verlangt. Warum sollten Skinheads nicht totalitär sein, wenn doch schon durch die Uniformierung eine Art Selbstwertgefühl ausgedrückt wird. Ein wenig Rebellion gegen Hippies muß zwecks Gesellschaftskritik sein, das muß festgestellt werden.
Bands wie die Becks Pistels werden ständig von linken P.C.-Schwätzern denunziert. Dabei politisiert gerade diese OI-Band durch ihre Gesellschaftsanalyse die glaziale Masse gegen den Feind. „Den Hippies, die unser Dasein stören, schneiden wir die Haare ab“ (oder so ähnlich). Die Kassierer benutzen das stilistische Mittel der Überspitzung zur Kritik am Sexismus. „Mach die Titten frei“. Die Skinheadszene ist die einzigste autarke Gruppe, die solche gesellschaftlichen Umgangsformen nicht unbewußt übernimmt, sondern deutlich ausspricht. Auch der Schrei nach Alkohol ist maßgeblich für eine Rebellion notwendig, sozusagen als Treib- und Triebmittel. Ne kleine Prügelei muß schon mal sein. Das Recht des Stärkeren muß endlich wieder sozialisiert werden, denn nur die Starken können diesem Staat schaden. Nicht wahr!
In diesem Sinne „Fußball, Ficken, Alkohol“, alles andere ist Quark!
If the kids are united...
logge

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An das CI-Plenum!] [Liebes Conne Island-Team!] [Die Halle 5 bleibt am 06.12.1997 geschlossen!] [aber der schlimmste spießer ist der antispießer!] [Rebellion ist gerechtfertigt!] [An das Conne Island-Team!]

An das Conne Island-Team!

Ich will mich hier nicht in die für mich leidige Diskussion über Oi!-Konzerte einmischen, nichtsdestotrotz sind mir in eurer Stellungnahme einige Dinge übel aufgestoßen. Thema Hippies:
Grundsätzlich erstmal, wer es nötig hat, sich selbst in solchen Kategorien, wie Punk, HCler, Hippie oder Skin einzugliedern, hat auch seine gruppenspezifischen Konsummuster im Kopf und ist damit feste drinne im System.
Nichts gegen die persönliche Meinung eurer Crewmitglieder („Es ist schon so, daß wir Hippies nicht unbedingt mögen, einige sogar offen zugeben sie zu hassen“), doch ich kann (Konsens?), nur hassen, der mir Schmerzen bzw. Schaden zufügt (ob jetzt geistig oder körperlich). Sind Hippies gerade dafür berüchtigt? Oder habt ihr noch nicht genug Feindbilder, die es mehr lohnen würde zu bekämpfen. Und im Gegensatz zu den Glatzen ist bei den Hippies ein antifaschistischer Grundkonsens (wenn auch nicht unbedingt ein militanter) vorhanden.
Man kann und muß über die peacige Haltung von Hippies verschiedener Meinung sein, doch Fakt ist, daß ihr mit solchen Äußerungen wie „gegen das Rumstänkern bei Hippie-Parties können wir schwerlich etwas sagen“, geradezu ein Klima erzeugt, daß solche Vorfälle wie bei Woodstock erst möglich macht (oder wie meint ihr das Rumstänkern?).
Iff all kids are united...
mele


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last modified: 28.3.2007