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Kultur-Report, 1.7k

Zum Tod von Laurel Aitken.

Einige nannten Ihn den „Highpriest Of Reggae“, andere schlicht den „Godfahter Of Ska“.

Laurel Aitken, „the man that puts Boogie in Your bones“, wie ihn Dr. Ring Ding einst bezeichnete und der bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende war, starb am Sonntag den 17.7.2005 um acht Uhr Ortszeit in Leicester / England an den Folgen eines Herzversagens.

Zwar wurde Laurel Aitken 1927 in Kuba geboren, emigrierte jedoch im Alter von 11 Jahren mit seiner Familie und lebte die folgenden Jahre in der Weststadt von Laurel Aitken, 34.0k Kingston / Jamaika. Dort kam er relativ bald mit der lokalen Musikszene in Berührung und verdiente sich bereits in den 40er Jahren sein erstes Geld mit Straßenmusik und kleineren Auftritten vor Touristen.
Richtig los ging es mit seiner Gesangskarriere allerdings erst 1958, als er mit seiner doppel- A- Seiten Single „Little Sheila“ / „Boogie In My Bones“ als erster Einheimischer die jamaikanischen Charts stürmte. Der Anfang einer schon genial zu nennenden Karriere war gemacht, denn Laurel Aitken hatte es innerhalb von nur zwei Jahren geschafft einer der Top –Artists in Jamaica zu werden.
Einige Zeit später verließ er Jamaica und ging nach England, um dort in den folgenden Jahren mit verschiedenen Labels, u.a. „Melodisc“ und dem legendären „Blue Beat“ Label zu arbeiten, auf dem er u.a. „Boogie Rock“ aufnahm, wobei seine Musik schon damals von SKA über Rocksteady bis zum Reggae reichte.
Im Gegensatz zu anderen bedeutenden, Jazz-orientierten Urvätern der jamaikanischen Musik, blieb Laurel Aitken jedoch nicht auf einer bestimmten Entwicklungsstufe stehen, sondern exzellent, alle möglichen Stilrichtungen der damaligen Zeit in seiner Musik zu kombinieren, weshalb in erster Linie gerade ihm der Einfluß von Calypso, Mento und R&B auf den SKA zu verdanken ist.

Laurel Aitken war allerdings nicht nur ein brillianter Musiker, der sämtliche Clubs bei seinen Konzerten füllte, sondern zählte gerade auch in den 60er und 70er Jahren zu den Top Produzenten des Reggae im United Kingdom, wo er seinerzeit hauptsächlich mit dem berühmten „Pama“-Label zusammenarbeitete.

Zwar wurde es musikalisch gesehen kurzzeitig etwas still um ihn.
Als jedoch SKA Ende der 70er Jahre aufgrund der allgemeinen Begeisterung für 2Tone, man denke an MADNESS, Selecter, The Specials, The Beat usw., fast über Nacht wieder ein großes allgemeines Interesse fand, stand auch Laurel Aitken schnell wieder im Rampenlicht der Öffentlichkeit aus dem er, dank vieler genialer Alben und unzähliger Konzerte, u.a. mit den Potato 5 oder den legendären SKATALITES, mit denen er bereits in den frühen 60er Jahren Stücke wie „Bad Minded Woman“ oder „Freedom Train“ in Ken Khouries Federal Studio“ in Jamaica aufgenommen hatte, bis zu seinem Tod glücklicher Weise nicht wieder verschwand.
Was mich persönlich an diesem sympatischen, freundlichen Menschen mit den blauen Docs und den Tarnhosen beeindruckte, war allerdings weniger sein enormer Einfluß auf den SKA und die Skinhead-Szene, als vielmehr die Tatsache, daß er trotz seiner Berühmtheit weder abgehoben war, noch Berührungsängste zu seinem Publikum zu haben schien, sich offenbar mit Leib und Seele seiner Musik und der Skinheadszene verschrieben hatte und man bei jedem Konzert, ob nun in Leipzig, Jena oder sonst wo das Gefühl hatte, daß er nicht für die Kohle auf der Bühne stand, sondern für die Glatzköpfe im Publikum spielte.
Ein Mann, der es sich trotz seines hohen Alters und schwerer Krankheiten auch in den letzten Jahren nicht nehmen ließ, unermüdlich zu touren, um ganze Generationen, nicht nur von Skinheads mit seiner Musik zu begeistern.
Ohne ihn ist die Ska-Welt um eine großartige Persönlichkeit ärmer geworden.

Axel (WCF)


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last modified: 28.3.2007