• Titelbild
• Editorial
• das erste: Die Identitären – Rassisten und Kulturalisten
• NO NO NO! A Special Club Night
• Roter Salon
• State of Mind, Animal Instinct, RealityXReturns
• Mala in Cuba Live
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• Bizarre Ride II The Pharcyde Tour 2013
• Sondaschule, Montreal, Das Pack
• BORDER WEEKS - Electric Island pres.: Nathan Fake
• Die Orsons
• The Sea and Cake
• Neaera, Bury Tomorrow, Counterparts
• inside out: Pressemitteilung des Conne Island zur aktuellen Ausstellung »In guter Verfassung« im Neuen Rathaus
• review-corner buch: Die Autobiographie des Besetzten Hauses Erfurt
• review-corner film: Marina Abramovic – Von der Arbeit, Kunst zu machen
• review-corner film: Blut muss fließen – Undercover unter Nazis
• doku: Kampf gegen Rassismus oder Beitrag zum Mythos Connewitz?
• position: It‘s a trap!
• doku: Redebeitrag 27.10.2012: »Rassismus tötet«-Demonstration
• leserInnenbrief: Zur Frage von Inhalt und Kritik
• Das Werk 3 hat zu.
• das letzte: Wer Juden hasst, bestimme ich
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Das Werk 3, die BILD-Zeitung der Leipziger Kneipen. Da war man natürlich „sowieso noch nie“ drin, das kannte mensch nur vom Hörensagen und immer wurde da ein Bild aus Force Attack, Mordor und Dschungelcamp mit Connewitzer D-Prominenz gezeichnet.
Ich gebe es zu, ich war dort. Genau fünf Mal. Das erste Mal nachdem ich gegenüber im Werk 2 gearbeitet hatte. Früh um neun genoss ich ein sogenanntes Feierabendbier, war stocknüchtern und musste mir die Einlassungen vom Tisch gegenüber anhören. Seitdem war ich nie wieder stocknüchtern dort.
Das zweite Mal ging ich in Begleitung ins Werk 3. Rundherum war alles bereits geschlossen, es war also schon reichlich spät. Oder früh, je nach Betrachtungsweise. Meine Begleitung traf dann einen Bekannten, dem sie zwei Euro „für eine Frikadelle“ borgte (der junge Mann hatte angeblich „seit Stunden nichts gegessen“ und würde sodann sterben vor Hunger). Der Typ kam allerdings nicht mit einer Frikadelle, sondern mit einem randvollen Glas Rum-Cola wieder. Das dritte Mal holte ich einen Freund ab, mit dem ich am Vorabend noch gestritten hatte, unser Conne Island-Konzert ob der zu erwartenden später eintreffenden Besucher etwas später anfangen zu lassen. Mein Freund wollte das nicht, denn er habe Sonntags wichtigere Dinge zu tun als den Tag zu verschlafen! Ich holte ihn dann 14:00 Uhr auf dem Freisitz des Werk 3 ab. Ein anderes Mal wachte ich dann selber mit schwerem Kopf an dem unteren der beiden (oder waren es drei?) Fenstertische auf. Keine Ahnung, wie ich ins Werk 3 gekommen war, ich weiß nur, dass ich Bekanntschaft mit der Spezialität des Hauses namens „Knallbrause“ gemacht hatte. Das fünfte Mal besuchte ich das Etablissement mit einem lustigen Trupp korrekter Skinheads aus Berlin, wir bestellten Bier („Hallo, ick hab zwei Bier bestellt, nich nur eins!“ – „Ja, warum? Macht dann zwei Euro!“ –„Wat? Dat Bier kostet nur nen Euro?“) und die Barfrau legte Musik für uns ein. Als die Klänge einer schwedischen Wikingerrock-Kapelle erklangen kam es fast zu einer Massenschlägerei. „Das ist doch aber die Musik, die wir hier immer hören, wenn Skinheads da sind.“ So die unschuldig dreinblickende Bedienung.
Das ließ tief blicken und seitdem war ich nie wieder dort. Glaube ich.
Was auch immer man vom Werk 3 halten mag. Es war eine Nische für Leute, die gerne Gesellschaft und wenig Geld hatten. Irgendwie schade.
Helmut Ärger