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Dänen lügen nicht


Eine nationale Provokation


Ein „angriffslustige(r) Nationalismus der seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts sich zutrug“, ist jener der Deutschen aus der ehemaligen deutschen Teilrepublik gegen ihre russischen Besatzer (Wir sind ein Volk), der Slowaken und der Tschechen gegen eine gemeinsame Republik, der Slowenen und der Kroaten, der Litauer, der Korsen, der Basken, der ... der Deutschen seit den Düppelner Schanzen, als sie 1863 sich erstmals, schon fast norddeutsches Volk, gegen den dänischen König wandten, um ihm Schleswig abzuknöpfen, damit sich Preußens König in Versailles zu ihrem Kaiser krönen lassen könne, um später seinen Sohn zu sagen, er solle Hindenburg zum Feldmarschall machen, damit dieser den Hitler zum imperialen und barbarischen Führer und Nachfolger mache. War es nicht irgendwie so oder haben wir da nicht die Donaumonarchien vergessen, in ihrer vormodernen Agonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das russische Zarenreich mit seinen vielen Ethnien, welche von den bolschewistischen Kommunisten um Lenin mit einer Autonomie und mit einer zentralistischen Verwaltung geadelt wurden, die von Beginn auf Vermeidung völkischer Konflikte gerichtet war. Weil die Zaren von Peter I. über Katharina bis Paul I., im vorbürgerlichen Streben nach Zugang zum Meer (die soll ihnen als kaufmännische Notwendigkeit übrigens von Deutschen eingeredet wurden sein, die sich an allen zentralistischen und absolutistisch-reaktionären Höfen Europas herumtrieben um sich Anregungen für die Konstitution ihres Reiches zu holen, aber die östliche Ostseeküste wurde im 17. Jahrhundert von der schwedischen Krone regiert und am Schwarzen Meer lebten Tataren unter der Herrschaft des Sultans des osmanischen Reiches) und nach Eroberung der sibirischen Landmasse, keine Rücksichten auf die dort bereits ansässigen Menschen nahmen und ihnen zwar die absolute Verwaltung aufzwangen, sie teilweise aber auch in ihrer vorzivilisatorischen Kultur beließen, als Grenzvölker gar autorisierten, muss sich noch heute der Ex-Geheimdienstler Putin mit Banden, die sich Tschetschenen nennen, herumschlagen. Neben der Fahne der Sowjetunion, dem imperialen Gebilde, welches russische Kommunisten voller Optimismus und Utopien dem weltweit sich totalisierenden Kapitalismus entgegenzusetzen gedachten, waren immer auch die fünfzehn Fahnen der Republiken der Union zu sehen. Fällt mir doch glatt das Sternenbanner ein. Aber da sind noch die Düppelner Schanzen. Was haben denn die Dänen so gemacht seit 1863? Wurde nicht gelehrt im Unterricht deutscher Historie, dem Fach Geschichte an deutschen demokratischen und bundesdeutschen Schulen? War da noch mehr als Egon Olsen? Während die Deutschen erst einen nachgemachten Fridericus Rex (Jeder möge nach seiner Facon selig werden) zu ihrem Kaiser machten und ihn dann 1918, als er ihnen ihre Lieblingsspiel, den Krieg verdorben hatte absetzten, um dann mal den Sozis zu vertrauen, die zwar 1914 Geld für den Krieg gaben, ihn aber nur von den internationalen Proleten führen lassen wollten, damit die Kapitalisten ihrer Länder auch ja keinen Gewinn am Kriege ziehen. Aber die hatten vergessen, dass die Deutschen seit Kaisers Burgfrieden nur noch eine Partei kannten. Und als die sich auf die Münchner Feldherrenhalle bewegte, dauerte es gerade mal noch fünfzehn Jahre bis zu brennenden Synagogen. Die Dänen dagegen haben ihrem König weiter vertraut. Egal welchen Glaubensbekenntnisses oder so sie auch waren. Ihr konstitutioneller König machte halt so Politik. Und als die Deutschen Führer kamen ist er abgehauen: klugerweise! Und ebenso klugerweise, weil er nachgedacht, sinniert, überlegt, sich erinnert hat, fiel ihm ein, was die deutschen Banden seit ihrer Konstitution 1871 postulierten und seit 1933 als absichtsvolle Weltverwaltungspolitik praktizierten, eliminatorischen Antisemitismus. Und in einer dänischen Nacht- und Nebelaktion wurden bis auf wenige alle achttausend dänischen Juden außer Landes gebracht. Eine Nation hat Gewissen gezeigt, eines auf welchem ganz sich sanft ruhen ließe, wären da nicht dumme Deutsche, die besinnungslos ihrer eigenen Geschichte, im Internet nach der eigenen Namensheraldik suchen, aber nichts über den studierten deutschen Landwirt Heinrich Himmler wissen wollen, die sich das Zeigen jeglicher Nationalfahne verbitten, weil sie gerne eine Heimat haben, dieses Land als ihre, wenn auch falsch beherrschte empfinden, so im Bauche etwa, statt auf dieses Land zu scheißen und zu sagen, überall ist es besser als in Deutschland und was mich hier hält ist nur die Schwerkraft und die Armut? Eine Nation hat Gewissen gezeigt und ihren nationalen Rahmen, ob dieser nun emanzipatorisch oder nicht ist, schützend über jene gelegt, die von den deutschen nun Nationalsozialisten, mit dem ganzen barbarischen Impetus den der Menschenopferkult hat, in Sobibor, Treblinka und Maidanek, in den Vernichtungslagern, auf den zur deutschen Werkbank umfunktionierten (furchtbarer Jargon) Opferaltar gelegt werden sollten und von denen die Deutschen nur etwa fünfhundert Alte und Kranke erjagen konnten, die dann im Theresienstädter Ghetto (einer alten Österreichischen Festungsanlage in der Nähe des tschechischen Liberec) eine eigene Straßenzeile erhielten, wovon noch heute Führungen durch die Gedenkstätte erzählen. Aber außer den Häusern, in denen die Dänen etwas komfortabler wohl als die meistens aus Tschechien und vom Balkan kommenden anderen Juden eingepfercht waren, gibt es dort nichts außer Tschechen, die sich nicht schämen brauchen wieder in ihren alten Häusern zu wohnen und der Erinnerung an diese Nichtüberlebenden. Über das Schicksal der überlebenden dänischen Juden erfährt man in Yad Vashem, wo die barbarische Tat der Deutschen und die gute Tat der Dänen in Erinnerung gehalten werden. Gegeneinander, außer den „Gerechten der Völker“, unter denen auch der Deutschen gedacht wird, die nicht als solche handelten und Juden halfen die Vernichtung zu überleben. Bleibt also wenigstens eine Differenz zwischen Deutschland und Dänemark als (abstrakte oder eigentliche?) Nationen, der nicht nur 139 Jahre und dänische Neo-Nazis bedeutet, sondern auch, dass sich im Holocaust die eine im Besonderen, durch die Rettung von Menschen, und die andere im Allgemeinen, durch deren Exterminierung identifizierten. Am 3. Oktober waren nur israelische und eine Fahne der Tschechischen Republik bei der linken Affirmation des deutschen nationalen Feiertages zu sehen, weil ein obskures „Oktoberklub 2002“ Bündnis ein Fahnentabu postuliert hatte, aus Scheu wohl, die der guten deutschen Republik zu zeigen, denn seit Marxens und Engels’ Manifest der Kommunisten fühlen sich deutsche Proleten sauunwohl, weil ihnen dort der Nichtbesitz eines Vaterlandes prophezeit wurde, um dass sie seit der Schlacht bei Jena 1806 rangen, es aber noch gar nicht kennengelernt hatten. Das, womit sie sich dann 1871 gerne anfreundeten, haben dann einige wenige, der deutsche radikale Kommunist Karl Liebknecht und die polnische Jüdin und Kommunistin Rosa Luxemburg unter ihnen, am 9. November 1918 noch einmal versucht zu beseitigen, als sie ein sozialistisches Vaterland ausriefen, welches dann klassisch-marxistisch zu „schwinden“ (Marx und Engels) hatte. Dass es ein barbarisches, ein sich national-sozialistisch gerierendes Deutschland werden würde, hätten sie am 9. November 1923 von dem Hitler und seinen damals noch Spießgesellen erfahren können. Aber auch da hatten die Jungdeutschen Proleten mehr Affinität zu solchen, welche die „Zinsknechschaft“ – Inflationszeit – und das „Diktat von Versailles“ ablehnten. Am 9. November 1938 haben sie schon deutsch, fleißig und kontraproduktiv, wie Obernazi Göring beklagte, weil sich der wirtschaftliche Schaden nicht dem von der faschistische Führung kalkulierten entsprach, als sich der antisemitische Wahn bereits phänomenal zeigte, der später die Massenvernichtung von Juden erbrachte, gemeinsam mit ihren erklärten (Volks-)Genossen die Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte mit Steinen eingeschmissen. Die Chance der Teilung des deutschen Landes nach 1945 aber haben die Deutschen nie als Möglichkeit, sich von ihrem Deutschsein zu trennen, begriffen. Geduldig warteten sie bis zum 9. November 1989 um sich wieder zum Kollektiv zu konstituieren. Und deshalb liebe Kommunisten von jener Gruppe, die wenigstens zur Begründung ihres Austritts aus dem deutschen Kollektiv erst einmal ihre „Meinung“ sagte, obschon deutsche Realität diese nicht statisch bleiben lassen darf, zeigt aus jedem Anlass, am 3. Oktober und am 9. November alle Fahnen, die ihr so findet. Oder keine? Oder mit Absicht, gegen die Absicht der Oktoberbündler, auch nicht die Israels? „Eigentlich“ sei doch jeder Nationalismus Scheiße! Haben wir uns da als Deutsche nicht schon selber eingekriegt? Im Vergessen? Zur Erinnerung: Am 9. November 2000 fand vor dem Berliner „Brandenburger Tor“ der Abschluss jeglicher deutscher Erinnerungskultur statt. Mit 250 Tausend Kanzler-Claqueuren, die schon damals klammheimlich hofften, dass uns Gerhard den Führerbunker wieder freilegt, damit sie wie an anderen selbsterrichteten und konstruierten Denkmälern ob der vergangenen, weltweiten, barbarischen Berühmtheit masturbieren können (That was their satisfaction). Aber wessen sollten die Deutschen am 9. November gedenken? Und wessen deutsche Linke? Lügen Dänen?

Shalom Andreas

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last modified: 28.3.2007