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dokumentation, 1.1k

Valkyrie:
Superheld in Uniform

Repräsentation des deutschen militärischen Widerstands im Film

Der 20. Juli 1944 ist in der Bundesrepublik wegen der Bedeutung des militärischen Widerstands für das deutsche Selbstverständnis oft verfilmt worden. In den 50er Jahren dienten die Verfilmungen der Umdeutung der Attentäter von „Vaterlandsverrätern“ zu „Helden“. Bis heute bieten die Verfilmungen Heldenerzählungen über Stauffenberg an, die ihn für vermeintlich moralisch einwandfreie militaristische und nationalistische Diskurse anschlussfähig machen. Trailer lassen vermuten, dass auch der aktuelle Film VALKYRIE von Tom Cruise eine unkritische Heldengeschichte erzählt, die von Bryan Singer, ähnlich wie bei seinen früheren Superheldenfilmen, gekonnt in Szene gesetzt wird.

Mit VALKYRIE von Tom Cruise kommt eine weitere Verarbeitung der Ereignisse vom 20. Juli 1944 in die Kinos. Dies gibt Anlass, die Rolle von Filmen über den militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Erinnerungsdiskurs zu untersuchen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit wird nicht bloß durch Wissenschaft und Geschichtspädagogik bestimmt. Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein haben ebenso Filme, insbesondere Unterhaltungsfilme, die mit historischen Stoffen arbeiten. Sie prägen die Geschichtsbilder der Menschen, indem sie die Gefühle der ZuschauerInnen ansprechen und eingängige Bilder anbieten. Das heute so häufig zitierte „Kollektivgedächtnis“ ist nicht zuletzt ein Produkt der modernen Medienindustrie. Um erfolgreich zu sein, greifen Spielfilme auf den bereits bestehenden Fundus an medial erzeugten Bildern, Versatzstücke aus individuellen Erzählungen und das schulisch vermittelte Geschichtswissen zurück. Sie erlauben deshalb Rückschlüsse, was die Bevölkerung vor den Bildschirmen über die Vergangenheit denkt. Filme mit Bezug auf die deutsche Geschichte werden nicht losgelöst von Gesellschaft produziert. Sie stehen im engen Zusammenhang mit der politischen Entwicklung Deutschlands und den offiziellen Erinnerungsbestrebungen. Auch wenn der fiktionale Charakter von Filmen und Fernsehserien mitbedacht wird, liefern sie Bildmaterial über den Nationalsozialismus, mit dem sich die Deutung der Vergangenheit unterfüttern lässt. Davon ist auch die Wahrnehmung des Widerstands betroffen.

Kriegsgräberstätte, 80.5k


Stauffenberg als Held

Wie Oberst Stauffenberg erinnert wird, hängt nicht zuletzt von dem Bild ab, das massentaugliche Filme von ihm zeichnen. Derzeit wird Stauffenberg vor allem als Held dargestellt. Die Trailer von VALKYRIE lassen ähnliches erwarten. Dabei könnte er auch als jemand gelten, in dessen Traditionslinie man nicht stehen will. Wenn Stauffenberg als Held dargestellt wird, der die Welt von Hitler befreien wollte, liegt der Kurzschluss nahe, Stauffenberg hätte sich gegen alles eingesetzt wofür der Nationalsozialismus steht und außerdem im Sinne der bundesrepublikanischen Verfassung gehandelt. Der Wehrmachtsoberst wird so zum lebenden Beweis für das Gute in den Deutschen, auf das sich eine bundesdeutsche Tradition heute beziehen kann. Stauffenberg jedoch vertrat eine antidemokratische Weltanschauung, die von Militarismus und einer scharfen Form des Nationalismus bestimmt war. Sein abstraktes Bekenntnis zu Recht und Freiheit ist daher das, was ihn zum respektablen Bezugspunkt für nationalistische und militaristische Positionen in der Gegenwart werden lässt.
Mit dem voraussichtlich international erfolgreichen Hollywoodfilm VALKYRIE sind erinnerungspolitische Hoffnungen verknüpft. Eine größere Akzeptanz des Militärs im Inneren könnte Deutschland erlauben, sich vorbehaltloser an Kriegseinsätzen im Ausland zu beteiligen. Nach Außen liefert die Zeichnung eines anderen, vermeintlich widerständigen Deutschlands einen weiteren Beitrag, das Land in der Weltöffentlichkeit moralisch zu rehabilitieren.

Stauffenberg als Vaterlandsverräter

Nicht zufällig ist Oberst Stauffenberg eine filmisch oft repräsentierte Figur aus der Zeit des Nationalsozialismus. Anders als die DDR, die für sich das Erbe des antifaschistischen Widerstandes in Anspruch nahm, konnte die BRD als Nachfolgestaat des „Dritten Reiches“ nicht so leicht den Bruch mit der verbrecherischen Vergangenheit behaupten. Daher war es erinnerungspolitisch naheliegend, die Geschichte des Nationalsozialismus als deutsche Opfergeschichte zu erzählen. Die Deutschen waren demnach von einem Dämon verführt und in den Abgrund geführt worden: weder wussten sie, was sie taten, noch konnten sie sich dagegen wehren. So ließen sich Nationalsozialismus und der Krieg fürs Vaterland in der Erinnerung voneinander trennen.
Der Umgang mit dem militärischen, adeligen, kirchlichen und bürgerlichen Widerstand gegen Hitler ist deshalb in den Gründungsjahren der Bundesrepublik ein Problem. Er beweist, dass der Zweite Weltkrieg ein nationalsozialistischer Krieg war und aktiver Widerstand eine mögliche Option. Folglich wurde das Attentat auf Hitler ambivalent wahrgenommen: Auf der einen Seite war es Symbol dafür, dass sich nicht alle Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt hatten, auf der anderen Seite steckte es wie ein Dorn im schlechten Gewissen der Deutschen, nichts oder nicht genug dagegen getan zu haben.
In der Bevölkerung galten Stauffenberg und seine Mitattentäter zunächst nicht als Helden, sondern als „Umstürzler“ und „Vaterlandsverräter“. 1952 sprachen sich über 50 Prozent der vom Allensbach-Institut befragten Deutschen gegen die Benennung einer Schule nach Stauffenberg aus. Und der ehemalige Kommandeur des Wachbataillons „Großdeutschland“, Otto Ernst Remer, verleumdete die Widerständler 1951 bei einem Wahlkampfauftritt seiner „Sozialistischen Reichspartei“ in Braunschweig als „Verräter“. Wenige Tage später errang die Partei bei der niedersächsischen Landtagswahl elf Prozent der Stimmen.

‚Die Scham wegwischen‘

So wirkt es aus heutiger Sicht überraschend, dass es 1955, ein Jahr nach dem Jahrestag des Attentats, gleich zu einer Doppelverfilmung des Stoffes kam: ES GESCHAH AM 20 JULI von G.W. Pabst und 20. JULI 1944 von Falk Harnack. Bereits der im Vorjahr angelaufene Film CANARIS (D 1954, R: Alfred Weidenmann) über den Chef des militärischen Geheimdienstes, der in die Planung des Anschlags auf Hitler verwickelt war, hatte sich als Kassenerfolg erwiesen. Das Widerstandsproblem wird von Weidenmann dahingehend gelöst, dass die „gute Wehrmacht“ den bösen Nazis entgegengesetzt wird, sich aber den bösen Mächten gegenüber als ohnmächtig erweist.
Zur gleichen Zeit gab es ein politisches Interesse, den militärischen Widerstand zum legitimierenden Bezugspunkt zu machen. Der Mythos einer „sauberen Wehrmacht“ erleichterte die Vorbereitungen zur Gründung der Bundeswehr und rückte die Bundesrepublik im Kalten Krieg näher an die Seite der Westalliierten. Da es unter den Attentätern außerdem einen ausgeprägten Antikommunismus gegeben hatte, eignete sich ihre Geschichte, um Position gegen die DDR und die UdSSR zu beziehen.
Anlässlich des 17. Juni 1953 etwa hatte der Berliner Bürgermeister Ernst Reuter das Attentat vom 20. Juli 1944 positiv bewertet und mit den Demonstrationen in der DDR als „antitotalitären“ Widerstand gleichgesetzt. Ähnlich äußerte sich am 19. Juli 1954 auch der damalige Bundespräsident Theodor Heuss anlässlich des 10. Jahrestages des gescheiterten Attentates an der Freien Universität Berlin. Er endete seine Rede mit den Worten: „Die Scham, in die Hitler uns Deutsche gezwungen hatte, wurde durch ihr [die Attentäter, Anm. d. A.] Blut vom besudelten deutschen Namen wieder weggewischt.“

Überall Widerständler

Im Gegensatz zu dem Film ES GESCHAH AM 20. JULI wird in dem von Artur Brauner produzierten Film 20. JULI 1944 versucht, Verbindungen der verschiedenen Widerstandsgruppen aus Kirchen, Gewerkschaften, sozialistischen Parteien und Militär hervorzuheben. Zwei Figuren stehen im Zentrum, die Sekretärin Stauffenbergs und ein junger Offizier. Sie bieten dem Publikum die Möglichkeit zur Identifikation. An dem Offizier vollzieht sich im Laufe des Films eine Wandlung. Stellvertretend für das Publikum entwickelt er sich vom „pflichtbewussten“ Offizier und Befehlsempfänger zum Unterstützer des Widerstands.
Durch die Dramaturgie des Films entsteht der Eindruck, als hätte die Mehrheit der deutschen Bevölkerung am Widerstand teilgenommen oder zumindest Hitler heimlich abgelehnt. Wohin man auch blickt – überall Widerständler. Und auch hier wird, wie in ES GESCHAH AM 20. JULI, die Rolle der deutschen Wehrmacht verherrlicht. Beide Filme verzerren die Ereignisse des 20. Juli 1944 und sind bemüht, die „Vaterlandsverräter“ in pädagogischer Manier zu patriotischen Gestalten umzudeuten. Auch der Off-Kommentar in ES GESCHAH AM 20. JULI spricht in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache: „Nun liegt es an uns, ob dieses Opfer umsonst gewesen ist.“

Deutsche Erinnerungswende

Der Fernsehzweiteiler WALKüRE der ARD aus den 1970er Jahren rekonstruiert in einer heute ungewöhnlichen Art möglichst genau die Vorgänge vom 20. Juli. Die Filme bestehen aus Interviews und Nachstellungen historischer Szenen. Es kommen alle historischen Figuren gleichberechtigt zu Wort, egal ob sie ehemalige Mitglieder des Widerstandes wie der Attentäter Gerstorff waren oder gerichtlich belangte Nazis wie Remer, der ebenfalls im Film als „Zeuge“ auftritt und von „seinem“ Schauspieler nach dem „richtigen Gruß“ befragt wird.
Zum 60. Jahrestag des 20. Juli drehten ZDF und ARD mit DIE STUNDE DER OFFIZIERE und STAUFFENBERG (beide 2004) eine Art Neuauflage der Filme DER 20. JULI 1944 und ES GESCHAH AM 20. JULI. Der Fernsehfilm STAUFFENBERG greift außerdem auf die Rekonstruktion des Films WALKüRE zurück. Anders als in den älteren Filmen, wird in STAUFFENBERG die politische Verwandlung des Protagonisten konkreter dargestellt und stärker personalisiert. Sie wird außerdem bereits in den ersten Minuten vollzogen: Die Geschichte beginnt mit dem chronologischen Ende der Ereignisse und zeigt Stauffenberg bei seiner Hinrichtung. Durch sein Auftreten und den Ausruf „Es lebe das geheiligte Deutschland“ erscheint er wie ein Held und Märtyrer, der eine Gesellschaft repräsentiert, die den nationalsozialistischen Weltanschauungen entgegengesetzt ist. Ein weniger klares Bild als Held und Repräsentant einer anderen Gesellschaft gibt Stauffenberg dagegen in DIE STUNDE DER OFFIZIERE ab, denn er bricht, getroffen von den Kugeln des Erschießungskommandos, bei seinen letzten Worten zusammen.
Der Film STAUFFENBERG bringt eine veränderte Geschichtskultur zum Ausdruck. Bereits sehr früh im Film findet in einer, wie Berthold Stauffenberg(1) erklärt, frei erfundenen Szene die moralische Besinnung der Hauptfigur statt. Stauffenberg begegnet einem jungen Mädchen, das die Zerstörung seines Dorfes und die Ermordung seiner Familie durch deutsche Truppen“ überlebt hat. Die Shoa, in den Filmen der fünfziger Jahre noch verschwiegen, hat mittlerweile in den deutschen Widerstandsdiskurs Eingang gefunden. Es haben sich aber auch die Vorzeichen der Erinnerungspolitik geändert, denn die deutsche Schuld wird seit einigen Jahren außenpolitisch nutzbar gemacht. Es findet ein Prozess statt, der sich vom Verschweigen und Verleugnen zu einer Beschäftigung entwickelt, die sich für eine neue nationale Identität produktiv machen lässt. Bekanntlich gelang es Joschka Fischer, die Teilnahme am Kosovo-Krieg 1999 mit dem Aufruf „Nie wieder Auschwitz“ öffentlich zu legitimieren. Aus der historischen Schuld wurde historische Verantwortung.
Neben dieser Erinnerungswende ist eine Angleichung von Opfern und TäterInnen zu bemerken. Die Deutschen werden – nicht nur in Dokumentationen Guido Knopps – durch die Bombardierung Dresdens oder Hamburgs, in ihrer Vertreibung und ihrem individuellem Leid, wie in dem aktuellen Film ANONYMA (D 2008, R: Färberböck), gleichwertig zu Opfern von Nationalsozialismus und Krieg. Gleichzeitig wird ihre Rolle als TäterInnen kaum erwähnt. Der Angleichung von Opfern und TäterInnen entspricht die Aufwertung der Figur des sogenannten „Zeitzeugen“. Zu solchen werden, ohne dabei relevante Unterschiede zu nennen, TäterInnen, Opfer, BefreierInnen, SoldatInnen, Verfolgte und Zivilbevölkerung. ‚Infotainment‘ ist eine lukrative Sparte des Fernsehens und Zeitzeugen eignen sich für Unterhaltung mit Informationsgehalt, weil sie die „Zeit“ miterlebt haben oder selbst „Geschichte“ sind. In Sendungen über den Nationalsozialismus werden häufig TäterInnen- und Opfergeschichten ohne Kommentar gleichwertig nebeneinander gestellt. Durch diese politisch fragwürdige Art der Darstellung gehen entscheidende politische Zusammenhänge verloren.
Das ‚Dokudrama‘ DIE STUNDE DER OFFIZIERE konzentriert sich nicht so wie STAUFFENBERG auf eine Person und ihre Entwicklung, sondern entwirft ein „Panorama des militärischen Widerstandes“, das für den Zuschauer nur schwer durchschaubar ist. Der Film setzt auf eine Ästhetik der Imitation. Erinnerungen werden nicht mehr nur im Interview erzählt, sondern auch konkret bebildert. Einem Publikum, das den Nationalsozialismus nicht selbst erlebt hat, werden auf diese Weise ‚Geschichtsbilder‘ präsentiert, die kein angemessenes Urteil über die Vergangenheit erlauben.

Held wider Willen

ES GESCHAH AM 20. JULI blieb der einzige Versuch, den politisch teilweise übergreifenden Charakter des Widerstandes darzustellen. Während es im Westdeutschland der fünfziger Jahre schwierig war, den Widerstand oder das Attentat auf Hitler durch die Offiziere gegenüber einem breiten Publikum zu behandeln, wurde der antifaschistische Widerstand von der DDR instrumentalisiert. Diese beiden großen Blöcke teilten sich in kleinere Gruppen auf: KommunistInnen, SozialistInnen, Christen, Bürgerliche, StudentInnen und Militärs – jede Gruppe stritt für „ihre“ Widerstandskämpfer. Dass Stauffenberg und der 20. Juli schließlich zu einer Art Prototyp des Widerstands wurde, hat mit geschichtspolitischen Interessen zu tun. Diese Entwicklung wurde dadurch erleichtert, dass mit der Auflösung der DDR Alternativtypen entfallen sind und der dramatische Charakter der Ereignisse um das Hitlerattentat sich ausgezeichnet für Erzählungen eignet.
An den bisherigen Verfilmungen des Stoffs lässt sich nachvollziehen, welche Rolle diese Filme im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung der BRD hatten. Bei VALKYRIE wird ein wichtiger Teil der diskursiven Rolle des Films bereits im Vorfeld verhandelt. Es gab eine breite Debatte über den Film, etwa ob Tom Cruise als Scientologe den deutschen Nationalhelden spielen dürfe oder ob es angemessen sei, am historischen Ort, dem Bendlerblock, zu drehen. Stets ging es darum, wie Stauffenberg dargestellt wird und was der Film für die Wahrnehmung Deutschlands bedeuten könnte.
Wie der erste Kinotrailer von VALKYRIE vermuten lässt, verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg von der Figur Hitlers hin zu Stauffenberg als eine Art ‚Held wider Willen‘. Das inszenierte Weltendrama spielt sich hier auch teilweise in der Figur selbst ab. Stauffenberg ähnelt darin den Superhelden der populären Comicverfilmungen, mit denen VALKYRIE-Regisseur Brian Singer bisher in Erscheinung trat: Helden, die zum Heldensein verdammt sind. Sie verkörpern nicht den „Übermenschen“(2), sondern den Konflikt im Alltagsmenschen, der zur Ausnahmetat gezwungen wird.

Deutschland sieht gut aus – alles so schön sauber hier

Die Befürchtung scheint zumindest berechtigt, dass in VALKYRIE ein Held porträtiert wird, der in den auf Deutschland zentrierten Erinnerungsdiskurs passt und ihn festigt. Die jährliche Vereidigung der Rekruten auf Stauffenberg stellt die Bundeswehr in die Tradition eines Helden, der bisher für moralisch einwandfreien Nationalismus und Militarismus steht. „Humanitäre Interventionen“ der Bundeswehr und die Verfolgung deutscher Interessen im Ausland können somit einfacher als Verlängerung einer unverdächtigen militärischen Traditionslinie interpretiert werden.
Für den Mitverschwörer Tresckow galt: „Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird.“ Im ersten Trailer hieß es in Anlehnung an diesen Spruch: „It may come down to one.“ Das reicht allerdings, denn wie der Mitverschwörer Planck sagte: „Das Attentat muß versucht werden, allein schon um der moralischen Rehabilitierung Deutschlands willen“. Heuss hatte dieses Ansinnen schon als erfolgreich bezeichnet, doch der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher will noch mehr, wie er bei der Laudatio auf den „Bambi für Courage“-Preisträger Cruise im November 2007 kundtat: „Es hat mich und andere immer bedrückt, dass es beinahe unmöglich war, das Ausland darauf aufmerksam zu machen, dass es auch innerhalb Deutschlands Menschen gab, die ihr Leben riskierten, um sich den Nazis zu widersetzen. Es bedurfte eines Querdenkers, um dieses Vorurteil zu durchbrechen. Es bedurfte – mit einem Wort – eines Weltstars, um sich damit im Ausland Gehör zu verschaffen. Durch seine Entscheidung, Graf Stauffenberg sein Gesicht zu leihen, wird Tom Cruise, das Bild, dass sich die Welt von uns macht, mit Sicherheit verändern. Das Ansehen des Landes zu retten, wenigstens das, gerade auch im Ausland, war wie wir wissen, eine der wichtigsten Beweggründe Stauffenbergs bei seiner Tat. Durch Tom Cruises Entscheidung, diese Rolle zu spielen, wird Stauffenbergs Anliegen, wenn auch auf mittelbare Weise, doch noch verwirklicht. Eine breite Öffentlichkeit wird anhand seiner Geschichte verstehen, dass man sich dem Unmenschlichen widersetzen kann und dass Heldenmut und eine menschliche Haltung noch wichtiger sind, als der Erfolg.“
Ob die Entscheidung, einen Film über Stauffenberg zu drehen, anderen als ökonomischen Mut erfordert, ist zur Zeit eine echte Frage, und inwiefern Tom Cruise ein „Querdenker“ ist, das sei dahingestellt. Aber vom Ansehen Deutschlands zu sprechen, um daraus den Widerstand gegen das Unmenschliche abzuleiten, ist gefährlich, weil das „Ansehen der Nation“ einer der Gründe war, warum die beiden Weltkriege so erbittert geführt wurden. Fühlt man sich in Deutschland als Militärmacht akzeptiert und angesehen, steht dem militärischen internationalen agieren eine Hürde weniger im Weg. Der weitere Diskurs um Stauffenberg und den Film VALKYRIE wird Anzeichen dafür liefern, welches Verhältnis zum Militär und zu nationalistischen Positionen in Deutschland zu erwarten sein wird.

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Anmerkungen

(1) Generalmajor a. D. Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg ist der älteste Sohn von Claus von Stauffenberg

(2) So wurde Stauffenberg vermutlich ironisch in der FAZ vom 3.7.07 von Florian Henckel von Donnersmark, dem Regisseur des Oskargewinners DAS LEBEN DER ANDEREN, bezeichnet

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last modified: 21.1.2009