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Ein Brief an den
Erfinder der Arbeit


Sehr geehrter Herr Frank-Jürgen Weise,

Nur wenige haben die Möglichkeit, einer ausfüllenden Tätigkeit nachzugehen und auch die „Agentur für Arbeit“ muss manchmal, darf man den Meldungen der Zeitungen Glauben schenken, konträr zu ihrem Namen agieren und Tausende der gefragten Anstellungen streichen. Umso mehr freut es mich daher, dass Sie selbst nicht vom Abbau des „Sozial“ betroffen sind und nun mit voller Kraft an den Arbeitslosen arbeiten können.

Um Sie dahingehend zu unterstützen, möchte ich Ihnen einen Vorschlag machen. Lassen Sie mich vorher bitte noch kurz in meine Zeilen einschieben, dass ich die ganze, negativ belastete, Diskussion um die abgeschlossenen Beraterverträge als übertrieben empfinde. Beraterverträge gehören für ein modernes Unternehmen, wie es die „Agentur für Arbeit“ ist, zum täglichen Geschäftsgebaren und bürgen für Qualität der verrichteten Arbeit.

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit der professionellen Gestaltung von beweglichen Grafiken (animierte GIFs ) und mit der Erstellung
Plakat des DGB, 32.8k
Plakat des DGB 1948
von fesselnden Präsentationen. Die Software „Powerpoint“ ist hier, laut Informationen der Fachpresse, als Spitzenprodukt in diesem Teil des Marktsegmentes zu nennen und darf ruhigen Gewissens als „der Standard“ für multimediale Darbietungen betrachtet werden. Ganze 3D-orientierte Rundgänge – zum Beispiel durch die Büros der „Agentur für Arbeit“ – könnten damit in faszinierenden Einzelbildern und atemberaubenden Effekten für die Bildübergänge mit ein paar Handgriffen produziert werden. Gekoppelt mit individuell gestalteten Schriftzügen, die die Vermittlung der Hauptinformation übernehmen können, stellt die Powerpoint-Präsentation ein gelungenes Potpourri für jede Firmen-Darbietung dar, mit der man sich durchaus mit Nachdruck in der brutalen Arbeitswelt seinen Platz erkämpfen kann. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich Ihren Mitarbeitern auch gerne Insider-Tipps bei den Programmen Solitaire, Quake 4 und Wolfenstein 3D geben kann.

Diese meine beruflichen Fähigkeiten möchte ich Ihnen und damit der „Agentur für Arbeit“ gerne im Rahmen eines Beratervertrages zur Verfügung stellen. Ich hoffe damit zum Beispiel auch das Image der „Agentur für Arbeit“ in der Öffentlichkeit deutlich zu verbessern und Ihre Behörde zum Top-Unternehmen in Sachen „arbeitslos“ zu führen. Weiterhin rate ich Ihnen – sozusagen als kostenloser Tipp im Voraus, vor Abschluss des Beratervertrages – sich von den ca. 5 Millionen Arbeitslosen zu trennen. Die öffentliche Wahrnehmung unterscheidet leider nicht zwischen Ihrem selbst gewähltem Auftrag als „Agentur für Arbeit“ und den daran hängenden Problemfällen mit Anspruch auf Sozialleistungen. Gerne bin ich Ihnen behilflich, einen Serienbrief – in einem Textverarbeitungsprogramm Ihrer Wahl – aufzusetzen und den vier Millionen Arbeitslosen fristlos zu kündigen. Hatte ich erwähnt, dass auch ich ein Freund von Killer-Spielen bin?

Selbstverständlich übernehme ich auch gerne jede beratende Tätigkeit in Ihrem Hause, wie zum Beispiel das Korrekturlesen von firmeninterner Korrespondenz und des Speiseplans für Ihre Kantine. Sollte es für ein gutes Betriebsklima in den Büros der „Agentur für Arbeit“ von Nöten sein, stehe ich auch gerne für das „Umhören unter den Mitarbeitern“ zur Verfügung. In diesem Fall ist die Erstellung eines professionellen Berichtes über die momentane Firmensituation ein Teil des Auftrages. Empfehlungen für Kündigungen bzw. Maßregelungen von bestimmten Mitarbeitern werden separat geliefert und werden nach Möglichkeit vertraulich behandelt. (Die ausgeprägte Neigung zu Gewalt in Computerspielen meinerseits ließ ich schon anklingen?)

Sollten wir uns bezüglich eines Beratervertrages einig werden – und davon möchte ich gerne ausgehen – werden Sie mir sicher zustimmen, dass ein Honorar von pauschal 325 Millionen Euro (für jedes angefangenes Quartal und zzgl. anfallender Zusatzleistungen oder Aufwendungen) für beide Vertragsparteien einen annehmbarer Kompromiss darstellen. Falls nicht, das Thema Gewalt ließ ich schon ein wenig durchscheinen, oder?

Bitte teilen Sie mir mit, ob mein ausgeführter Vorschlag Ihren Vorstellungen entspricht.

Mit freundlichen Grüßen

Mark Knochen

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last modified: 28.3.2007