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Loikaemie, 2.0k
Ska Trek, 1.3k
4Promille, 1.7k

Cockney Rejects, 21.1k
Discipline, 1.8k
Evil Conduct, 1.3k
Scrapy, 0.9k

Oi! The Meeting - Logo, 21.8k

Oi! The Meeting 2002

    „Ist man kein Nazi, muß man Kommunist sein und ist man kein Kommunist, dann muß man ein Nazi sein.“
    (George Marshall, „Spirit of ’69 – Eine Skinhead Bibel“)
Skinheads-Leipzig, 22.1k Tja, vor ca. sieben Stunden kam Grape und hat gesagt, dass ich diesen Artikel bis morgen schreiben soll. Nachdem ich noch arbeiten und hinterher eins, zwei, sieben Bier abbeißen war und mir immer noch jede Idee fehlt, werde ich euch einfach damit zulabern, was mir am Meeting wichtig ist:
Den Kern der Leipziger Skinheads gibt’s etwa seit 1990. In den Jahren der Wendewirren haben sich die besten Chaoten, die es je gab, zusammengefunden und überlegt, wie sie ihr Leben noch schwieriger gestalten können. Das Gros kam irgendwie aus der Punk-Ecke (mit der heroischen Ausnahme Wirthy, das ist klar!), und die Parole hieß: „Scheiß auf Alles – Wir machen es falsch!“
Mit einer Hausbesetzung sowie Kontakten zu zwielichtigen Gestalten aus Halle und aus dem Strietz haben wir lange und kontinuierlich daran gearbeitet, unseren Ruf auf beiden (politisch verankerten) Seiten zu ruinieren. Die folgenden Jahre konnten wir in dieser Hinsicht definitiv auf der Haben-Seite verbuchen. Komischerweise hatten wir damit bei den Faschos viel weniger Anklang gefunden als bei den Leipziger Zecken. Vielleicht lag das daran, dass die Faschos damals zu oft versucht hatten, die Läden zu überfallen, die wir gern dann aufsuchten, wenn dem Morgen schon vor uns graute.
Aber auch die Betreiber derselben Läden waren nicht wirklich glücklich mit uns. Schließlich kam jemand namens Imad auf die mehr als gute Idee, den Bock zum Gärtner zu machen. Das damals ziemlich junge Conne Island (kurz nach den Reaktion-Konzerten) hatte auf einmal keine Störenfriede mehr, zumindest nicht im Publikum. Und seitdem haben wir in Leipzig einen großen Laden, in dem regelmäßig fette Oi!- und auch Ska-Konzerte abseits von Kommerz und Studentenpack stattfinden können.
Für uns wichtige Veranstaltungen waren „The March of the Skinheads“ oder das „Oi! The Meeting“ 1992. (Um die Bedeutung dieser Treffen richtig einzuschätzen sei kurz erwähnt, dass Lübeck und Bremen damals rechte Hochburgen waren.) Zu wissen, dass es noch mehr Verrückte gibt in Doitschland, die sich einen Dreck um das scheren, was die anderen denken, gab uns einigen Auftrieb. Die spektakuläre Neuauflage 1994 (Ich erinnere an die Promenade am Timmendorfer Strand!) machte noch einmal klar: Skinheads in Doitschland sind Skinheads im Geist ihrer englischen Wurzeln – Fuck Politics! Und nebenher gabs massiven Ärger mit den Berliner SHARP-Fanatikern. Immerhin waren wir so davor gefeit, dieser Art bornierten Extremismus’ anheim zu fallen. Über das beinahe dritte Meeting in Braunschweig will ich mal keinen Text verlieren, das war dann wohl nicht so der Hammer.
Einige Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Man könnte denken, das sich einige Dinge verändert hätten, aber nein, sie sind nur schlechter geworden. „Unpolitisch“ steht heute im Ruf feige zu sein, die eigene Meinung verheimlichen zu wollen – im Gegensatz zu dem was ich damit verbinde: „Bis hierher kannst du mich vollquatschen, und nicht weiter“! Aber schließlich hatte Jan (Skateboard rules! – Aua!) die Idee, die unser und Oi!er Leben verändern wird: Wir machen das Meeting hier in Leipzig. Wenn die Muscheltreter grad keine Lust haben, ziehen wir hier zum 33. Geburtstag eine Party durch, die sich gewaschen hat.
Musik wird natürlich der Aufhänger sein, aber grundsätzlich geht es vielmehr um ein bundesweites Skinheadtreffen. Wir wollen hier Loite sehen, die sich nicht von irgendeiner Politscheiße das Hirn haben waschen lassen. Die dazugehörige Demo können wir uns in Leipzig aber grad nicht leisten. Dafür sind hier Bürger, Medien und auch die Herren in Grün durch die ständigen Trachtenumzüge unserer Nachgeburten um Herrn Worch zu sehr aufgeschreckt. Trotzdem und deswegen wird es dann so ablaufen:
Mit einer der besten Bänds, die der aktuelle deutsche Oi! zu bieten hat, wird am Freitag »4 Promille« das „Oi! The Meeting“ eröffnen. »Scrapy« wird hinterher den letzten Zweiflern klar machen, daß Ska wirklich keine Erfindung von Studenten ist. Und schließlich empfehle ich, »Loikaemie« ganz unbedingt bei „Ihr für uns und wir für Euch“ das Gehör zu leihen.
Am Sonnabend werden wir dem über Jahre vielfach geäußerten Wunsch nach Revanche Genüge tun: Ihr könnt versuchen, uns den Titel als beste Skinhead-Kicker-Crew abzujagen. (Keine Angst! Ich bin bloß der amtlich beglaubigte Fresshool, der irgendwo besoffen in den Rabatten liegt.) – Und beim WM-Spiel Saudi-Arabien gegen Doitschland werdet ihr eure Niederlage verschmerzen können.
Der zweite Abend beginnt dann mit »Ska Trek«. Die musikalische Erfüllung folgt sofort mit meinem persönlichen Headliner »Evil Conduct«, einer Uralt-Neuentdeckung aus Holland: very straight, very Oi! Hinterher folgen die hardcorelastigen »Discipline« und die Band, die letztendlich für UNS ALLE verantwortlich ist – »Cockney Rejects«: „Oi! Oi! Oi!“
Nicht zuletzt und in eigener Sache: Wir haben auch dazu gelernt, das heißt, wir sind schlauer geworden, nicht weiser. Axmen und meine Wenigkeit (räusper!) haben sich dessen angenommen, was lange schon nötig und im Geiste vorhanden war: Binnen weniger Tage entstand eine eigene Heimseite im internationalen Rechnerverbund. Ich schätze, daß diese Idee (der Fachmann sagt dazu Schachzug) nicht ganz unbedeutend für das Bekanntwerden des Oi! The Meeting 2002 ist. Nachdem wir uns auch dort kaum vor völlig verblödeten und legastheniebelasteten Beiträgen retten können, zum Schluss ein paar gemeinverständliche Worte zum (un)politischen Standpunkt:
• Wir sind Teil einer Subkultur.
• Uns verbindet ein Musikstil und eine besondere Art Spaß zu haben.
• Wir verstehen uns weder als Anhänger linker noch rechter Dogmen.
• Jeder für sich beanspruchen wir das Recht auf eine eigene Meinung – auch politisch.
In diesem Sinne und in Vorfroide auf Dein Erscheinen beim Oi! The Meeting 2002:
Rock’n’Roll, ihr Arschlöcher!
Webhamster


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last modified: 28.3.2007