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Safer sex für Hedonisten

Der Klimawandel stellt ex/soft-core/anti/deutsche/radikale Linke vor einen ungeübten Spagat zwischen Inhalt, main stream und Identität

Jüngst war ein amüsantes Phänomen zu beobachten: In „Das Erste“ der Märzausgabe erklärte ein CEE IEH-Autor, er hätte zu wenig Expertise, um zum Thema, über das er schrieb – den Klimawandel – Stellung nehmen zu können, man müsse es Experten überlassen! Hoppla. Zwar gab er, Andi, dies erst ganz am Ende des Artikels zu, trotzdem blieb der bittere Beigeschmack: Während man sonst im Heft sehr gern dazu ausholt, Gesellschaft, Geschichte, Ideologien oder kurz: die Welt zu erklären – nun diese eigenwillige Bescheidenheit und Zurückhaltung.
Ich war verunsichert. Gibt es denn andere Experten? Wer wenn nicht das CEE IEH kann die Welt erklären? Ein unhaltbarer Zustand! Kurzerhand will ich mich darum selbst zum Experten(1) aufschwingen und meinerseits die Welt erklären.

Was ich an Andis Artikel mochte, war die Frage, warum es in Deutschland eine Art Klimakatastrophen-Hype gibt, während der Klimawandel doch nicht mehr als eine von der Wissenschaft umstrittene These sei. Oder anders gesagt, warum die Deutschen so sehr an den Klimawandel glauben wollen. Wenn dem so wäre, eine interessante Frage! Leider verfällt er beim Beantworten in linksstereotype Plattitüden und macht nicht mehr als Bauchgefühlsunterstellungen: Er unterstellt den Deutschen eine Lust am Schaudern und an der Katastrophe sowie einen narzisstischen Drang, Zeuge mächtiger historischer Vorgänge sein zu wollen – selbstverständlich gepaart mit ihrer antiamerikanisch motivierten Schuldzuweisung gen USA.

Wie auch immer. Mir sind Deutsche als Deutsche nicht mehr wichtig genug, als dass ich mich ständig an ihnen reiben wollte, nur um irgendwelche speziellen Gefühls- und Denkregungen indizieren zu können. Deshalb
Rauchen und Klima, 14.8k

Rauchen und Klima, 18.8kAus der Sicht der Raucher sind sie nicht die bedeutenden Luftverpester.


(Siehe auch: Editorial)
mag ich mich hier lieber auf zwei Punkte konzentrieren: Zum einen möchte ich etwas zum wissenschaftlichen Forschungsstand zum Klimawandel hinzufügen und zum zweiten meinerseits ein paar Unterstellungen loswerden, warum Klima & Umwelt von (ex)Linksradikalen, (soft-core)Antideutschen u.ä. so gern ignoriert werden.

Climate Change in der Wissenschaft

1) Gibt es einen Klimawandel?

Man stelle sich einmal die Erdkugel mit ihrer Luftschicht vor: als einen Globus von 1 Meter Durchmesser(2). Die Luftschicht hätte dann die Stärke… einer Staubschicht: 1 Millimeter.
Man stelle sich weiterhin Leipzig als einen Punkt auf diesem Globus vor. Wenn man die gesamte Weltbevölkerung (ca. 6,5 Mrd. derzeit) in Städten der Größe Leipzigs (0,5 Mio) ausdrücken wollte, müsste man auf unserem Globus 13.000 Punkte machen. Bezogen auf die gesamte Landfläche der Erde (allerdings habe ich euch Antarktika erspart, nicht aber Grönland, Sibirien oder die Sahara) hieße das: alle 3,3 cm2 ein Punkt.
Nun, ist es irgendwie vorstellbar, dass der Mensch einen Einfluss auf die hauchdünne Luftschicht hat? Und dass dies die Vorgänge in der Luftschicht beeinflussen könnte?

Vor ein paar Wochen war ich auf einer Tagung über Klimawandel an der Uni Tel Aviv. Hauptredner war Prof. Paul Crutzen, seines Zeichens Nobelpreisträger für Atmosphärenchemie. Diskutiert wurden mögliche regionale Konsequenzen des Klimawandels. Notabene: Nicht mehr ob Klimawandel ja oder nein, sondern nur noch: Konsequenzen.

In der kürzlich veröffentlichten „Summary for Policymakers“(3) des 4. IPCC-Reports heißt es: „Warming of the climate system is unequivocal“, und „very likely“ (d.h. > 90 %) ist die Ursache dafür menschliches Handeln, insbesondere die Nutzung fossiler Brennstoffe, das Abholzen von Wäldern und Landwirtschaft.
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wurde 1988 von der World Meteorological Organization und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Es vereint Hunderte von Fachwissenschaftlern aus ca. 100 Ländern mit dem Ziel, den bisherigen Kenntnisstand zum Klimawandel zusammenzufassen: objektiv, kritisch und transparent. Zuvor wurden drei IPCC-Reports veröffentlicht (1990, 1995, 2001), jeder davon ging durch einen mehrstufigen Begutachtungsprozess und ist jeweils etwa vom Umfang der drei Kapital-Bände zusammen. Alle Bände aller Reports sind frei online verfügbar.
Die IPCC-Reports sind DIE wissenschaftliche Autorität, sie SIND der globale Kenntnisstand. D.h. auch, dass wenn es bezüglich mancher Punkte noch Unsicherheit und Kontroversen gibt, dann steht das auch so im Report; aber auch nur dann. Der enorme Forschungsaufwand, der weltweit in Climate Change gesteckt wird, hat die Faktenlage stark verbessert und weiter erhärtet. Viele der anfänglichen Kontroversen wurden dadurch aufgelöst: Im Gegensatz noch zu den neunziger Jahren gibt es heute die wissenschaftlichen Gegenstimmen de facto nicht mehr, die Andi noch in seinem Artikel beschwor. Klimawandel ist Fakt. Punkt. Eine generelle Erwärmung des Klimas ist unumstritten. Ebenso unumstritten ist der Anstieg der Gase CO2 und Methan in der Troposphäre und deren Treibhauswirkung.
Nur noch in Politik und Medien erscheinen diese Erkenntnisse als umstritten, so dass Andi ungewollt recht hat, wenn er schrieb: „Der Klimadiskurs ist ein politischer und kein wissenschaftlicher.“ Ein Problem, da wichtige Zeit davonläuft.

2) Ist der Klimawandel anthropogen verursacht?

Wie bereits bemerkt, beziffert das IPCC dies jetzt wie folgt: Mit mindestens 90 % Sicherheit ist der Klimawandel durch menschliches Handeln verursacht; während „extremely unlikely“ (< 5 %) rein natürliche Ursachen für die gemessene Klimaerwärmung verantwortlich sind. Dies bedeutet, dass mittlerweile praktisch alle vorigen Alternativerklärungen, die auf natürlichen statt anthropogenen Ursachen aufbauten, als de facto widerlegt oder zumindest höchst unwahrscheinlich gelten. Zwei Beispiele(4):

Alte These 1: Die globale Erwärmung wird vor allem durch natürliche Schwankungen in der Sonnenintensität erzeugt. Ein erhöhter Treibhauseffekt durch gestiegene CO2-Konzentrationen ist vernachlässigbar.
Antwort: Erstens konnten in den letzten 70 Jahren keine ausreichenden Schwankungen in der Sonnenintensität nachgewiesen werden. Zweitens würden beide Ursachen, Sonnenintensität bzw. erhöhter Treibhauseffekt, unterschiedliche Erwärmungsmuster zeitigen: Der Treibhauseffekt erwärmt stärker untere Luftschichten, Sonneneinstrahlung stärker obere. Diese Muster konnten nun durch aufwendige Methoden nachgemessen werden. Die Ergebnisse stützen die These des Treibhauseffekts.

Alte These 2: Für den Anstieg der CO2-Konzentrationen sind natürliche Quellen (z.B. Vulkane oder Verwitterung von Kalkstein) weit mehr verantwortlich als die Verbrennung fossiler Ressourcen (Öl, Gas, Kohle). Gegenüber den „Naturgewalten“ sind die menschlichen Aktivitäten vernachlässigbar.
Antwort: Erstens ist die menschlich produzierte CO2-Menge leicht aus dem weltweiten Verbrauch von Öl, Gas & Kohle errechenbar und korreliert durchaus gut mit dem gemessenen Anstieg. Zweitens hat CO2 aus fossilen Brennstoffen eine andere Isotopenzusammensetzung als CO2 aus Vulkanen oder Kalkstein. Auch diese besondere Isotopenzusammensetzung in der Luft konnte nun nachgewiesen werden.

Dass es trotzdem „nur“ mind. 90 % Sicherheit im IPCC-Report sind, liegt an der Argumentationsweise in den Naturwissenschaften: Andi hat es in seinem Artikel bereits gereicht, zwei Phänomene zu attestieren – die Prophezeiung katastrophaler Folgen des Klimawandels sowie eine deutsche Hysterie um selbigen – um sie schon als Ursache und Wirkung einer narzisstischen Lust an der Katastrophe auszugeben. Wissenschaftlich reicht es hingegen nicht aus, wenn Phänomene gleichzeitig auftreten, um als ursächlich zu gelten, selbst wenn sie plausibel verknüpft werden können. Die Kausalität muss erst bewiesen werden.
Etwas vereinfacht könnte man zusammenfassen: Da aber viele klimatischen Prozesse höchst komplex sind, sind Kausalitätsbeweise unmöglich zu erbringen – „Sicherheit“ wird man in keiner seriösen wissenschaftlichen Arbeit finden. Wenn man jedoch alle bekannten Gegenthesen bzw. Alternativprozesse verwerfen muss, weil sie die beobachteten Phänomene nicht hinreichend beschreiben können, bleibt am Ende stehen: Höchstwahrscheinlich stimmt die Ausgangsthese, es ist keine sinnvolle Alternativerklärung mehr bekannt. Das sind die 90 % Sicherheit im IPCC-Report.

3) Warum sind die Zukunftsprognosen so unterschiedlich, z.T. gar widersprüchlich?

Der Klimatologe Wallace Broeker hat einmal formuliert, das Klima wäre „not a lethargic sloth [Faultier] but a wild beast, and we are poking it with sticks“. Dies soll verdeutlichen, dass es höchst sensible Mechanismen gibt, die das Klima auf der Erde beeinflussen, und dass diese Mechanismen oft sehr komplex miteinander interagieren; man denke nur an das Zusammenspiel von Wassertemperatur, Salzgehalt, Lufttemperaturen und Niederschlagsmustern beim Golfstrom, die selbst schon Eisbär Hannes mächtig ins Schwimmen brachten (CEE IEH #109). Das Klima der Erde ist von sich aus eher fragil statt stabil.
Manche dieser komplexen Interaktionen(5) sind bei heutigem Wissensstand nur sehr ungenau zu bestimmen und bewirken für Zukunftsprognosen, dass diese ein gewisses mögliches Spektrum angeben statt nur einer einzigen präzisen Voraussage.

Die zweite Quelle für unterschiedliche Prognosen ist ganz klar: Wie wird sich die Menschheit, wie werden sich die Treibhausgas-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten entwickeln? Das IPCC verwendet hauptsächlich vier verschiedene Szenarien (A1, B1, A2, B2) in wiederum diversen Modifikationen. Die Szenarien unterscheiden sich in ihren Annahmen über: 1) das Wirtschaftswachstum und seine regionale Ausprägung, 2) das Verhältnis von Industrie- zu Dienstleistungssektor, 3) die Technologieentwicklung bezüglich Energieerzeugung & Energienutzung, 4) das Maß internationaler oder überregionaler Kooperation und 5) last but not least das globale Bevölkerungswachstum. Keines der Szenarien bezieht jedoch zusätzliche (politische) Klimaschutzmaßnahmen (z.B. Kyoto-Protokoll) mit ein.

Die Kombination aus den verschiedenen Emissionsszenarien mit den Ungenauigkeitsspannen für die klimatischen Mechanismen ergibt das Gesamtspektrum der Klimaprognosen. Dieses Gesamtspektrum hat daher nichts mit Beliebigkeit(6) oder Unseriosität zu tun, sondern ist lediglich das Mitdenken verschiedener flexibler Faktoren(7). Und auch hier gilt: Manche Prognosen gelten als weitaus wahrscheinlicher als andere.

Klimawandel und Linke

Kürzlich sah ich den Al Gore Film „An inconvenient truth“. Ich hatte eher einen überzogenen Politprop-Film à la Michel Moore erwartet. Aber nein, stattdessen sah ich eine zwar politisch klar motivierte, aber inhaltlich absolut sachliche und fundierte Dokumentation. Dennoch verbreitet der Film eine schockierende, apokalyptische Stimmung.
Das fatale an den Konsequenzen des Klimawandels ist: Man muss sie nicht mehr übertreiben; oder vielleicht treffender: Man wagt es kaum noch. Schon die realistischen Prognosen wirken vielfach schlicht katastrophal und umgekehrt: Was sich katastrophal anhört, sind vielfach realistische Prognosen.

Während der letzten Eiszeit, die halb Nordamerika und halb Europa unter 2-3 km mächtige Eis-
panzer legte und Sachsen eine Mischung aus arktischer Tundra und mongolischer Steppe war, lag die globale Durchschnittstemperatur lediglich ca. 6 C unter der heutigen. Die nachfolgende Erwärmung auf etwa heutiges Niveau vollzog sich (ungleichmäßig) über ca. 5.000 Jahre.
Die wahrscheinlichsten Prognosen des jetzigen Klimawandels bewegen sich um einen globalen Temperaturanstieg von 3 C plusminus 1 C in lediglich 100 Jahren, bis 2100. Macht das in etwa klar, um welche Dimensionen es geht, in welcher Liga wir spielen?
3 C Temperaturanstieg heißt nicht: keine Schneeballschlachten mehr am Connewitzer Kreuz aber dafür angenehmere Badetemperaturen im Cospudner See. Es bedeutet vielmehr grundlegende Veränderungen der globalen Zirkulation, inklusive der Zunahme von Hitzewellen, Extremniederschlägen und Überschwemmungen, es bedeutet stärkere tropische Wirbelstürme und veränderte Niederschlagsmuster, welche global die Landwirtschaft und damit die Nahrungssicherheit insbesondere in ärmeren Ländern bedrohen. Etc. etc.
Jeder dieser Punkte wird viele Menschen ihr Leben kosten. Und noch mehr Menschen ein schönes Leben versagen. Klingt ganz schön hippiemäßig und übertrieben? Schön wär‘s.
Klimawandel ist absolute Scheiße und gefährlich. Bzw. noch mal für meine Hedonismus propagierenden Leser: Klimawandel ist extrem lustfeindlich(8).

Es gibt m.E. für die Menschen des 21. Jahrhunderts keine größere Bedrohung als den Klimawandel. Abgesehen von der Möglichkeit atomarer Waffen in den Händen von Terroristen; aber letztere sind eine Möglichkeit, der Klimawandel hingegen ist Tatsache.

Hier gilt es aber noch einmal klar herauszustellen: Die bisherigen Prognosen beziehen keine expliziten sog. Klimaschutzmaßnahmen mit ein. In anderen Worten: Sollte es gelingen, die Treibhausgasemissionen signifikant zu reduzieren – durch Maßnahmen auf gesellschaftlicher, technologischer aber auch privater Ebene – kann die Erwärmung auf ein geringeres Niveau beschränkt werden, deren Konsequenzen weniger drastisch und verheerend wären. Und das wäre ein Unterschied ums Ganze!

Hier wird Klimawandel zu einer Herausforderung für sich linksradikal oder antideutsch denkendes Denken: Während man es gewohnt ist, als empfundene Avantgarde gegen den (deutschen) main stream, die „deutschen Zustände“, den „gesellschaftlichen Konsens“ etc. anzudenken bzw. je nach Rhetorik auch anzukämpfen, funktioniert das beim Klimawandel nicht mehr. Der deutsche main stream hat Recht(9).
Der narzisstische Balsam, besser oder reflektierter bzw. schlicht anders zu sein als der böse deutsche Rest – oder kurzum: etwas Besonderes – entfällt bei diesem Thema. Sind deshalb umweltpolitische Themen im Allgemeinen bzw. Klimawandel im Besonderen so in Misskredit in (ex)linksradikalen Kreisen? Obwohl sie oft wenigstens auf lange Sicht ganz konkret mit einem schöneren, genussreicheren Leben befasst sind?
Wer jedoch nicht nur aus Identitätsgebaren heraus politisch denkt und/oder handelt, sondern tatsächlich auch, weil ihr/ihm auch an den Inhalten selbst gelegen ist, sollte sich nicht davon abschrecken lassen, ausnahmsweise einmal nicht elitär gegen eine Mehrheit anzustehen. Man sollte sich vielmehr – mit Blick auf die Inhalte – sogar darüber freuen.
„Erwachsen sein heißt, das Richtige zu tun, obwohl es die Eltern gesagt haben.“ Ähnlich hieße es hier: Den Klimawandel als Problem sehr ernst nehmen, obwohl es die meisten Deutschen auch tun – anstatt dagegen zu polemisieren oder damit zu kokettieren.

Es ist bitter nötig, falsche Motivationen im Klimawandel-Diskurs anzugehen, insbesondere Antiamerikanismus und deutsch-patriotisches Elitedenken à la „Deutschland als Weltklimapolizist und Ökogewissen – wir sind wieder wer!“. Es ist ebenso bitter berechtigt und notwendig, auf die (natur-) zerstörende Dynamik der Wertvergesellschaftung hinzuweisen und weiterhin auf die positive Überwindung dieser Gesellschaft zu drängen. Dies kann und sollte der Beitrag kritischer linker Intervention in dieser Debatte sein. Aber es sollte hingegen nicht reichen, stoisch-zynisch lediglich abwechselnd die Analyseschilder „Kapitalismus!“ oder „Deutsche Zustände!“ emporzuhalten.

Eine konkrete Erörterung zusätzlicher kleinskaliger Handlungsoptionen liegt jenseits des Umfangs dieses Artikels. Allerdings könnte es lohnen, einige alte Klassiker trotz ihrer Mottenkugeln erneut abzuklopfen, vielleicht: Energie sparen, mobil ohne Auto, vegetarisches Essen, Konsumbeschränkung oder ähnliches. Die Einstellung zu dieser Praxis mag dabei ähnlich undogmatisch und wenig ideologieschwanger sein wie beim Benutzen von Kondomen: Man macht es halt einfach, weil man weiß, dass es besser für sich und die anderen ist, Punkt aus.(10) Keine Revolution, kein besseres Karma, kein geläuterter Deutscher, kein Lieblingskind von Mutter Erde. Einfach nur safer sex.

Es gibt einen historischen Widerspruch zwischen Emanzipation und Umweltschutz, wie z.B. die Wurzeln der Naturschutzbewegung im deutschnationalen Heimatschutz, aber keinen logisch notwendigen Widerspruch.
Man sollte immer versuchen, schlauer und bedachter zu sein als sein Umfeld. D.h. hier, nicht deutsch-patriotisch oder antiamerikanisch für Klimaschutz eintreten. Aber das heißt auch, mit dem Mainstream zu gehen, wo er Recht hat. Es wäre zu riskant, erst auf die Revolution, das Ende Deutschlands oder die befreite Gesellschaft zu warten, deren Advent in den Sternen steht.

Shalom, Philip Neri

Anmerkungen

(1) Der Autor dieses Textes promoviert derzeit in Israel über mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf aride Ökosysteme.

(2) Der Radius der Erde beträgt ca. 6370 km. Die unterste Luftschicht (Troposphäre) hat eine Höhe von 6-18 km, abhängig von Breitengrad und Jahreszeit; sie enthält 90 % der gesamten Gasmenge der Atmosphäre. In der Troposphäre laufen die Wetterprozesse ab, weshalb sie auch als „Wetterschicht“ bezeichnet wird.

(3) 20 lesenswerte Seiten, frei online verfügbar auf ipcc.ch

(4) Eine sehr gute Erläuterung findet sich in: Rahmstorf & Schellnhuber: Der Klimawandel; Reihe C.H.Beck Wissen, 2006. Ohnehin ein kurzes aber sehr empfehlenswertes Büchlein zum Thema, 8€.

(5) insbesondere der von Lufttemperatur, Wasserdampfgehalt der Luft, Wolkenbildung und Strahlungsreflexion der Wolkendecke

(6) Andi zitierte & kommentierte z.B. wie folgt: „Die … Luftverschmutzung könnte die globale Temperatur um mehr als drei Grad sinken lassen … ausreichend, um eine Eiszeit auszulösen.“Stephen Schneider, Klimatologe (welcher später von einer katastrophalen globalen Erwärmung überzeugt war) in der Zeitschrift Science (1971) – Jedoch „verdunkelt“ die Luftverschmutzung tatsächlich effektiv die Sonneneinstrahlung und erzeugt so eine Abkühlung von global ca. 1 C. Schneider konnte lediglich damals den Treibhauseffekt noch nicht in seiner Rechnung haben, welcher jetzt die Abkühlung völlig überlagert. Richtig war hingegen seine These, dass die anthropogenen Abgase einen entscheidenden Einfluss auf das Klima haben könnten. Nicht verwunderlich also seine jetzige Haltung zum Climate Change.

(7) Populäres Beispiel wäre der Golfstrom: Bei sehr starker Erwärmung der Arktis könnte dieser zum Erliegen kommen, was dann trotz globaler Erwärmung eine deutliche Abkühlung für Europa bedeuten würde. (Derzeit gilt dieses Szenario jedoch als eher unwahrscheinlich.)

(8) Nach manchen Szenarien wäre auch Tel Aviv bei gestiegenem Meeresspiegel womöglich statt durch Strand nur durch Schleusenmauern mit dem Mittelmeer verbunden, während aufgrund geringerer Niederschläge nicht mehr genug Bewässerung für die Palmenalleen bereit stehen könnte. Die Gletscher Grönlands halten Wasser für 5-7m Meersspiegelanstieg bereit. Ziemlich uncool, gell?

(9) Der Klimawandel wird laut „ZDF-Politbarometer“ zurzeit von 89 Prozent der Bevölkerung als großes oder sehr großes Problem eingeschätzt. taz 03.03.2007

(10) Man denke hingegen an die ironische Bemerkung im Film Deckname Dennis: „In Deutschland fährt man nicht mit dem Auto, um wohinzukommen, sondern um für die Freiheit zu demonstrieren. Und man fährt mit dem Fahrrad, um gegen die Autos zu demonstrieren und gegen das Benzin.“


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last modified: 28.3.2007